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Raus aus
dem Winterschlaf - der Neustart |
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Januar 2011
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Was lernt man eigentlich
während des Linetrainings so? Mal abgesehen von den paar
Handgriffen welche zum Fliegen tagtäglich gebraucht werden? Eine
ganze Menge noch, wie ich an diesen Beispielen verdeutlichen
will:
Lektion 1: Effektives
Fliegen
Jeder Gegenstand der von
einem Flugzeug transportiert wird, verursacht ein höheres
Gewicht des Luftfahrzeuges und steigert dessen Kerosinverbrauch.
Je nach Flugzeugtyp und Flugzeugalter liegt der Mehrverbrauch
pro Stunde bei etwa 2-5% des Gewichts des zu transportierenden
Gegenstandes.
Vor mir liegen insgesamt zwei Erdbeeren, welche Bestandteil des
durchaus empfehlenswerten Frühstücks an Bord sind, welches an
diesem Tage meinen Kummer über das viel zu frühe Aufstehen
lindern soll. Nehmen wir einmal an, die beiden Erdbeeren wiegen
zusammen etwa 20 Gramm.
London, im Januar 2011. Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die
beiden Erdbeeren kommen um diese Jahreszeit mit Sicherheit aus
wärmeren Gefilden, zum Beispiel aus Südafrika. Flugzeit bis
London, ca. 12 Stunden. Da die beiden roten Früchtchen mit
Sicherheit gerne auf hohem Niveau verreisen, bringen wir sie
einmal gedanklich an Bord eines modernen Langstreckenflugzeuges
und verbuchen 3% Eigengewicht an Kerosinmehrverbrauch pro
Stunde. Sind also 0,6 Gramm Kerosin pro Stunde und 7,2 Gramm
Kerosin für die gesamte Flugreise. Ein Schnapsglas voll Kerosin
für zwei saure und geschmacksneutrale Erdbeeren. Da die beiden
Erdbeeren sicherlich gerne in einer größeren Reisegruppe
unterwegs sind, und wir ein Gesamtgewicht der Ladung aus
Südafrika mit mindestens 200kg annehmen, steigert sich der
Mehrverbrauch eines einzigen Fluges eben mal auf schlappe 72kg.
Klar dürfte sein, dass diese Zahl sich immens vergrößert, wenn
man nicht nur von Erdbeeren sondern von allen fast schon
überflüssigen Luxusartikeln ausgeht, die tagein, tagaus durch
die Welt befördert werden.
Wieder einer Erkenntnis mehr: Keine Erdbeeren im Winter!
Lektion 2: Sauberes Fliegen
Die Mittelkonsole des
Flugzeuges ist die Visitenkarte des Kapitäns. Zwischen
Schubhebeln, Funkgeräten und allerlei anderen Knöpfen und
Schaltern können sich während eines Fluges immense Mengen an
kleinen Zetteln und Ausdrucken aus dem Flugzeugeigenen Drucker
ansammeln. Wettermeldungen von Start- und Zielflughafen des
nächsten Urlaubs paaren sich hier mit Informationen über
Anschlussflüge, Start und Landezeiten, Performance-Berechnungen
und vielem mehr. Als angehender F/O füllt man zwar die Uniform
noch nicht ganz, aber die Position des Stellvertreters des
Kapitäns schon komplett aus. Dementsprechend gilt: Mein Cockpit
ist auch Dein Cockpit und Ordnung muss sein. Nicht nur bei den
besagten Zetteln muss das so sein, auch das Flugzeug muss aus
Respekt an die Nachfolgende Crew ordentlich übergeben werden.
Dazu gilt folgendes:
-
Der Flightdirector
muss ausgeschaltet werden, um den Kollegen zu signalisieren,
dass man als Autopilotenverwöhnter Flugzeugführer in der
Lage ist, das Flugzeug auch mit der minimal erlaubtesten
Computerunterstützung fliegen zu können
-
Als
Ruderpedaleinstellung ist die 12 einzustellen. Bei dieser
Einstellung sind die Pedale extrem weit zurückgefahren, denn
schließlich ist man selbst ja nicht nur ein Held der Lüfte
sondern auch ein mannhafter Hüne
-
Der Beckengurt muss
auf die allerengste Stufe eingestellt werden, denn was nützt
es einem, wenn die Kollegen einen zwar als Hünen, aber nicht
als ranken und schlanken Vorzeigemann wahrnehmen?
-
Bei der
Gurteinstellung ist es nicht weniger wichtig, den Gurt
welcher zwischen den Beinen verläuft auf die maximale Länge
einzustellen. Der Grund hierfür muss denke ich nicht weiter
erläutert werden
-
Von den
Flugzeugingeneuren wurde ein kleines Fach seitlich in der
Cockpitdecke angebracht. Es war zwar vielmehr als Griff
konstruiert um sich im Notfall aus dem Cockpitfenster
abseilen zu können, doch da hier die Isolierung nach außen
etwas dünner ist, ist dieses Fach immer schön kühl und
eignet sich hervorragend zum Aufbewahren der Süßigkeiten,
die man selbst nicht mehr verdrücken kann und so natürlich
mit den besten Wünschen seinem Nachfolger im Cockpit
hinterlässt.
Wenn dann auch noch die
Brotkrümel vom Sitz auf den Fußboden gewischt wurden und der
leere Kaffeebecher entsorgt wurde, ist Lektion zwei offiziell
beendet, und der Copilotenanwärter darf sich an weiteren
Lektionen über das korrekte Führen, Bedienen und Pilotieren
eines Airbus A320 versuchen…
Das tat auch ich während
der letzten Monate. Nach einem mehrwöchigen Simulator- und
Theoriekurs über die Vorschriften und Abläufe bei Lufthansa
stand dann von Mitte Dezember bis Mitte Januar das sogenannte
Linetraining auf dem Programm. Hier fliegen die angehenden
Copiloten im normalen Linienbetrieb mit Passagieren hinter- und
einem Ausbildungskapitän neben einem quer durch das
Streckennetz. Da ich ja bereits bei Air Berlin einige
Flugerfahrung sammeln konnte und ein ähnliches Linetraining ja
bereits absolviert hatte, kam ich mit dieser kurzen Zeit aus und
kann mich inzwischen selbst voll ausgebildeter Copilot der
Lufthansa schimpfen.
Seit dem Schulungsbeginn in Bremen sind seitdem etwas mehr als
vier Jahre vergangen, bis das Ziel nun mit mehr oder weniger
großen Umwegen und Erfahrungen erreicht ist. Nach dieser doch
noch mal recht aufwendigen Zeit gelobe ich eine starke Reduktion
meines Schreibstaus und möchte als kleinen Vorgeschmack ein paar
der Bilder anhängen, die während meiner Ausbildungszeit auf dem
A320 bei Lufthansa entstanden sind. Viel Spaß!
Was ist denn hier passiert?
Etwa ein kleiner Photoshop-Gag? Keinesweges, seit einigen
Monaten unterhält Lufthansa in Mailand Malpensa eine eigene
italienische Marke namens Lufthansa Italia. Im Moment werden
diese Maschinen, übrigens alle von Lufthansa oder Germanwings,
noch von den deutschen Lufthansa Mitarbeitern bereedert,
weswegen meine ersten Flüge gleich bei Lufthansa Italia
stattfanden. Dank Schnee in Deutschland zu dieser Zeit wahrlich
eine nette alternative, kam ich so doch um das ganze Chaos in
Zentraleuropa herum und überwinterte bei frischem Espresso und
pünktlichen Flügen in Mailand.
Von Schneechaos keine Spur
in Italien. Südlich der Alpen herrschte Traumwetter mit milden
Temperaturen und glasklarer Sicht. Hier der Blick von der
Startbahn des Flughafens Mailand Malpensa in Richtung der Alpen.
Für ein paar Wochen war das
der Alltags-Blick. Monterosa nach dem Start in Mailand.
Dass es nicht immer nur
Sonnenschein war, beschreibt dieses Bild, aufgenommen von einem
mitfliegenden Kollegen. Im Urlaubsort Bari in Süditalien
herrschte Sturm und leichter Schneefall. Aber kein Vergleicht zu
all dem was nördlich der Alpen zu dieser Zeit abging.
Nochmals Bari, diesmal an
einem anderen Tag. Das Wetter hatte sich beruhigt und wir
befinden uns hier auf einem so genannten VOR Anflug zur
Landebahn 25.
Die Nordwestseite der Alpen
während des Sonnenuntergangs...
... das Ganze aufgenommen
irgendwo in der Nähe von Genf auf dem Weg von Lissabon nach
München.
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