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Medical

 

August 2006

 

Das Medical in der LH- Basis in FRA ist wohl eher ein kleinerer Stolperstein. Aber zu unterschätzten ist das ganze trotzdem nicht. Mein Termin war übrigens der 9.8.06, also ziemlich direkt nach der FQ. Obligatorisch für jede Tätigkeit als Verkehrsflugzeugführer ist, dass man das Gütesiegel "Medical Class I" aufweisen kann. Im Zuge der medizinischen Erstuntersuchung bei der Lufthansa, erwirbt man gleichzeitig das FAA Medical Class 3 fürs Amiland. Denn auch in der Luftfahrt kochen die USA ihr eigenes Süppchen. Wie im richtigen Leben eben. In der Lufthansabasis am Frankfurter Flughafen machte ich mich, mit einem Laufzettel ausgestattet, an die Arbeit, alle notwendigen Untersuchungen über mich ergehen zu lassen. Nach dem Papierkrieg ging's mit einem Besuch im Labor los. Erstmal Blut abzapfen, dann ein paar Haare für den Drogentest lassen und noch in einen Becher pinkeln. Soweit so unspektakulär. Nun folgte das Abschlussgespräch beim Fliegerarzt. Dabei sollte man nicht allzu pingelig sein, wenn das sog. Abschlussgespräch mitten im Untersuchungsmarathon stattfindet. Dabei wurden diverse Reflexe, Atmung und die oben genannten Antragsformulare durchgecheckt. Es folgte die Gesichtsfeldmessung. Hier steckt man den Kopf in eine Kugel und rings um einen herum leuchten an verschiedenen Stellen Lichtlein auf. Eine Kamera kontrolliert dabei, dass man die Augen dabei nicht bewegt. Wenn man ein Licht sieht, wird auf ein Knopf gedrückt. Leider bin ich in dieser Hinsicht keine wissenschaftliche Sensation, obwohl ich laut Testergebnis am Blinden Fleck Sehvermögen hätte. Merke: Auch Ärzte machen Fehler. Ergänzt wurde dieser Test durch die Messung des Scharfstel-lungsvermögens des Auges. Nun ging es mit einem hundsgewöhnlichen Hörtest weiter, bei dem verschiedene Schallfrequenzen langsam immer lauter werden und man aufs Knöpfchen drückt, sobald man etwas hört. Es folgte nun ein Test, der Stoff für einen Hollywood-Streifen bieten würde. Als erstes bekam man den Kopf mit einem Sonderbaren Leitmittel eingerieben und danach eine Drahthaube aufgesetzt. Über unzählige Kabel maß der Computer jetzt die Gehirnströme, um etwa Epilepsie ausschließen zu können. Dabei hieß es immer wieder auf Kommando "Augen auf", "Augen zu". Für dramatische Effekte sorgte dabei ein Blitzlichtgewitter. Als nächstes schaute ich bei HNO Arzt vorbei, der fast mein Verhängnis wurde. Mein Hörvermögen sei eher grenzwertig, aber immerhin lernte ich noch einige erstaunliche anatomische Tatsachen über meinen Körper kennen. So etwa, dass meine Ohren meine Achillesferse sind. Da man bisher ausschließlich passiv agiert hat, war es Zeit für etwas Bewegung. Beim Belastungs-EKG muss man solange strampeln, bis man einen Puls von 180 hat. Dann spendierte die Lufthansa ne Ladung Duschwasser und weiter ging's im Sauseschritt. Dann wurde ich von einem Psychologe noch über Alkohol- und Drogenkonsum ausgequetscht. Die letzten Stunden des Tages verbracht ich beim Augenarzt. Von altbekannten Sehtests, über sonderbare Messmethoden, bei denen man Druckluft ins Auge gepustet bekommt, war alles, was man sich vorstellen kann dabei. Abschließend bekam jeder Kandidat noch eine Behandlung mit speziellen Augentropfen. Ein hämisches grinsen der Arzthelferin konnte ich gerade noch erhaschen, doch dann ging's mit dem Sehvermögen stetig bergab. Die Augentropfen weiten die Pupillen und mit scharfem Sehen isses danach für mehrere Stunden vorbei. Nun folgten einige Augenarztuntesuchungen noch mal. Im Blindflug endet dann das Medical mit den eigentlich schwierigsten Hürden des Tages: Wie kaufe ich mir eine Zugfahrkarte, wenn ich die Schrift am Automaten nicht lesen kann? Warum kann ich meine Armbanduhr nicht sehen? Wie rufe ich meinen Abholservice an, wenn ich das Telefonbuch im Handy nicht sehen kann. Und was zum Teufel sage ich, wenn einer fragt, warum ich nachts mit Sonnenbrille rumlaufe?

 

Firmenqualifikation

 

Juli 2006

 

Die zwei Testtage waren für mich am 31.7. und 1.8.06 angesetzt. Anders als bei der BU kann ich hier etwas detaillierter berichten, da man zum einen nix unterschreiben musste, zum anderen da die Bewertung der Tests eher situations- und charakterbezogen ist. Sprich selbst derjenige, der Originalaufstellungen kennen würde, wäre nicht unbedingt im Vorteil.  Erneut in Hamburg werden in diversen Gruppenspielen sowohl die Teamfähigkeit als auch die Eignung für die Lufthansa bewertet. Anders als bei der BU waren wir anfangs nur 10 Leute. Jeder Kandidat hatte seinen feinsten Zwirn an, um nicht von Anfang an alle Chancen auf einen positiven FQ-Verlauf zu verspielen. Dann ging es auch schon bald los und unsere Richter, bzw. ein paar Psychologen und unser Auswahlkapitän, stellten sich uns vor. Nun folgte zum Aufwärmen das so genannte "schwierige Gespräch", bei welchem man sich in eine relativ bescheidene Ausgangssituation versetzen musste. Im Nachbarraum wartete dann eine DLR-Dame, mit der man sich dann betreffend der genannten Situation zoffen musste. Oder besser nicht zoffen, sondern durch sachliches, verständnisvolles und lösungsorientiertes argumentieren, galt es einen für beide akzeptablen Kompromiss zu finden. War eigentlich keine all zu schwere Aufgabe und es zeigte sich, dass an den Gerüchten, die DLR-Dame würde einen anschreien oder in Tränen ausbrechen, nichts dran war. Nach einer noch erträglich langen Wartepause, die man sich mit diversen ca. neun Monate alten Stern- und Co-Magazinen versüßen konnte, ging's zum Baseline-Test. Dort wurden wir mit unzähligen Kabeln verdrahtet und mussten abwechselnd handelsübliche Intelligenztests machen und Entspannungsvideos schauen. Dabei wurden die Ruhedaten von Puls, Blutdruck u.ä. gemessen, um diese mit einer Stresssituation zu vergleichen. Dazu später mehr, hier nur soviel: die Stresssituation war nicht das Entfernen der Kontaktpflaster von haarigen Männerbeinen. Dies war übrigens auch die einzige Situation, in der Frauen beiden DLR-Tests im Vorteil sind... Nach dieser Tortur und einer zum Glück sehr ausgiebigen Warteperiode wurde einem ein Partner zugeteilt und man machte sich auf, sein Glück beim DCT-Test zu versuchen. Hier wurde die Teamarbeit bewertet. Jeder hatte einen Bildschirm und die gleiche Aufgabe: virtuelle Brücken mit ebenso virtuellen Gewichten möglichst optimal zu belasten. Das waren leider auch schon alle Gemeinsamkeiten, den der Witz war, das beide Kandidaten nicht alle notwendigen Informationen hatten. Einer wusste etwa welche Gewichtseinheiten vorlagen, der andere konnte dafür den aktuellen Beladungsstand und die maximale Belastung einer Brücke einsehen. Über Funk musste man nun zusammen mit dem Partner das beste draus machen. Stunden später, nach der nächsten Warteperiode eben, kam dann das erste von insgesamt zwei Gruppenspielen. Im ersten musste eine 5er Gruppe ein gemeinsames Endergebnis erzielen, obwohl jeder eine unterschiedliche Interessengruppe zu vertreten hatte und somit ein Konflikt vorprogrammiert war. Zwar hieß es in der Spielanleitung, man müsse "unbedingt seine Interessen durchsetzten", aber wie überall in der FQ war nicht das Ergebnis, sondern der Weg das Ziel. Im zweiten Spiel, in einer neu zusammengewürfelten Gruppe, galt es gemeinsam etwas zu planen. Hier waren die Differenzen der Teilnehmen nicht allzu markant, jedoch gab es immer wieder Sondermeldungen, also kurzfristige Regeländerungen, die einem das bisherige Gruppenergebnis versauten. Hier wurde verstärkt auf die Flexibilität der Bewerber geachtet. Dann folgte zum Ende des Tags, die erste Urteilsverkündung. Nachdem alle Entscheidungen vom Prüfungskomitee ausgewürfelt worden waren, wurden alle tapferen Schäfchen einzeln zur Schlachtbank gebeten. Die Hälfte der Teilnehmer wurde nach Hause geschickt, die anderen 5 durften am nächsten Tag die Tests fortsetzen Der nächste Tag begann mit einem Simulatorflug. In einem einfachen Verfahrenstrainer wurde geprüft, ob Talent fürs Fliegen vorliegt. Auch hier wurde man verkabelt und die Werte der Prüfungssituation wurden mit denen des Baseline-Tests verglichen. Wenn die Tester zufrieden gestellt werden konnten, durfte man zur Belohnung ne ausgiebige Runde warten, oder alternativ nach Hause gehen. Dann waren die Leistungen im Simulator aber leider nur suboptimal. Letztendlich waren wir noch zu viert und es folgte das Abschlussinterview. In diesem Einstellungsgespräch wurden noch einpaar Fragen zum Lebenslauf, zur Motivation für den angestrebten Beruf etc. gestellt. Nach unterschiedlich langer Beratungszeit der Auswahlkomission wurde ich ziemlich umgehend zurück in das Besprechungszimmer gebeten. Dort bekam ich kurz und schmerzlos von einem lächelnden Auswahlkapitän ein Bogen Papier zugeschoben. Der Titel dieses Dokuments war: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die Firmenqualifikation bestanden" Arne und Bernhard aus meine Kurs erhielten ebenso eine Eintrittskarte für die Fliegerei, sodass letztendlich drei von zehn sich von da an, unter dem Vorbehalt eines positiven Medicals, Nachwuchsflugzeugführer schimpfen konnten...

 
Berufsuntersuchung

 

Juni 2006

 

Schließlich war es dann am 1. und 2.6.2006 soweit, im Gebäude des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt stand die BU auf meinem Tagesplan. Am ersten Tag ging es Mittags los, Der Warteraum war schon gerammelt voll, als ich ankam. Heute waren wir 44 Leute, Nachdem einige Probleme wie Überbelegung der Teilnehmerplätze geklärt waren,  ging's dann mit diversen Begrüßungen und einem Video los.  Achja, für alle, die gar nicht mit der Materie "BU" vertraut sind: Alles sind Computertests, bei denen es sowohl auf die Richtigkeit der Eingabe, als auch auf Geschwindigkeit ankommt. Da alle Teilnehmer eine Erklärung unterschreiben mussten, die es ihnen verbietet original Aufgabenstellungen zu veröffentlichen, muss ich mich leider bei der Beschreibung der einzelnen Aufgaben sehr allgemein fassen. Es kamen am ersten Tag Tests dran, um das Kurzzeitgedächtnis und die visuelle Merkfähigkeit des Kandidaten zu überprüfen. Außerdem einige Fragen zum technischen Verständnis und Physikaufgaben. Hier hilft logisches Denken und die eine oder andere Erinnerung an den Physikunterricht. Außerdem wurde die akustische Merkfähigkeit getestet, also wie gut man Signale, die über Kopfhörer kamen, verarbeiten und wiedergeben kann. Ein weiterer Programmpunkt war ein Test zur räumlichen Vorstellungskraft. Zum Abschluss mussten die Teilnehmer noch ihr Können in einem stark vereinfachten Flugsimulationsprogramm, sowie im Kopfrechnen unter Beweis stellen. Gegen 17:00 war der Spuk dann vorbei. Doch dies war erst der Erste Streich und der Zweite folgt sogleich: Am zweiten Tag ging es mit der Überprüfung der mathematischen Grundfertigkeiten los. Weitere Tests zur optischen Wahrnehmung und zur Reaktionsgeschwindigkeit folgten. Es kam ein Englischtest und noch einmal -wie am Vortag- ein Test über das technische Verständnis. Zu "Entspannung" kamen nun 183 Persönlichkeitsfragen à la "Essen Sie mehr Gummibärchen wie andere?" Der Hammer zum Schluss bestand in einem Konzentrationstest, sprich man musste in einem zweistündigen Test die unterschiedlichsten Aufgaben mal einzeln mal parallel bearbeiten. Sehr hart, da dieses Multitasking doch sehr anstrengend ist. Überhaupt waren die zwei Tage in Hamburg sehr lehrreich, aber für alle, die ernsthaft an die Sache herangingen ein große und ermüdende Belastung. Umso größer die Freude als wenige Tage später ein Brief mit der frohen Botschaft -die BU bestanden zu haben- im Briefkasten lag.

 
Testvorbereitung

 

April 2006

 

Nun kommt sie endlich, die Karte, die zuverlässig, effizient und kostenlos den Weg durch den Dschungel der Gerüchte über die Einstellungstests (BU, FQ) weist. Man möge mir meine Ironie nachsehen, denn eine solche Karte gibt es genauso wenig, wie es ein Patentrezept zum Bestehen der einzelnen Testschritte gibt. Ich kann lediglich meinen Weg beschreiben, der in meinem Fall funktioniert hat, jedoch nicht zwangsläufig bei Dir oder deinem Nebensitzer aufgeht. Am Anfang der Achterbahnfahrt durch die einzelnen Testsituation steht - ganz bodenständig - das Lösen eines Fahrscheins, sprich dem Ausfüllen eines Online-Bewerbungsbogens. Hier wird lediglich nach ein paar Fakten zum Lebenslauf gefragt und einen Blick ins Abiturzeugnis wollen die Lufthanseaten ebenfalls werfen. Von meiner Erfahrung her kann ich dazu sagen, dass dabei die Endnote nicht allzu wichtig ist. Mehr als einem mit einem 1,nochwas-Abi hat die FQ zwar lebend, aber ohne das typische Grinsen im Gesicht verlassen, welches stark auf eine ein "Bestanden" hindeutet. Nach einiger Zeit kommt eine Einladung für die BU ins Haus geflattert. In meinem Fall ein knappes halbes Jahr vor dem BU-Termin. In der Zeit bis dahin, im meinem Fall schon direkt nach der Bewerbung, begann die Informationsbeschaffung. Das Internet ist propenvoll von Foren, Erfahrungsberichten und dem einen oder anderen verwirrenden Stück Information. Recht bald wurde mir allerdings klar, dass die BU reine Lernsache ist. Da dort physikalische, mathematische, und andere trainierbare Dinge gefragt werden, kann man sich darauf gut selbst vorbereiten, zumal die Tests im Einzelnen bekannt sind. Vorraussetzung natürlich ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Ehrgeiz. Drei kommerzielle Anbieter, teils mit miserablem Ruf, propagierten Vorbereitungs-Seminare. Da diese allerdings mit knapp 1000 Euros ein großes Loch ins Budget eines Schulabgängers schlagen würde, lies ich es mit einem BU-Seminar sein. Für ca. 40 Euros kaufte ich mit noch die kommerzielle Software "Skytest". Ca. 8 Monate dauerte meine BU-Vorbereitung, mit Foren, Internetrechereche, Skytest, Physik- und Mathebüchern. Die Zeit die ich mir nahm ist natürlich krass überzogen, aber da ich täglich nur ca. 30min trainierte, relativiert sich das Ganze wieder etwas. Manche Test sind halt einfach reine Übungssache und man kann sie halt erst nach dem 451. Mal üben. Die reinen Wissenssachen wie Formeln etc. hab ich mir auch relativ kurz davor ins Hirn gebrannt. Meiner Meinung nach ist neben den Fähigkeiten in den einzelnen Tests auch die mentale Einstellung wichtig. Locker bleiben und sich immer im Hinterkopf behalten, dass ein paar schlechte Minuten bei der BU einem alles versauen können, aber trotzdem an sich glauben. Ist doch kein Problem, oder?!?
Ist die BU erst einmal geschafft, hat man ein Problem: Was kann ich für die FQ tun? Einfache Antwort: Nicht viel, denn wer auf reine Lernsachen steht, wird hierfür nur die Namen des Vorstandsvorsitzenden der LH und die Flotte auswendig lernen können. Sonst sollte man sich mit sich selbst auseinander setzten und sich 110% darüber im klaren sein, warum man Pilot werden will und warum zur Lufthansa. Man sollte sich selbst kennen, seine Stärken und Schwächen realistisch einschätzen und sich präsentieren können. Zahlreiche Erfahrungsberichte im Internet nehmen einem etwas die Angst, indem sie den Ablauf der FQ detailliert schildern. Ich hatte das zweifelhafte Glück während dieser Zeit Zivildienst zu machen und hatte so durch den Staat die Möglichkeit die Kosten für ein Vorbereitungsseminar zum Großteil ersetzt zu bekommen. Also nahm ich bei einem Speziellen Lufthansa-FQ-Training bei ToPilots teil. Auf Staatskosten natürlich :D Ein solches Seminar hat den großen Vorteil, dass man dort die gesamte FQ bis zum Erbrechen durchspielt. Man übt mit anderen die einzelnen Testsituationen. Zwar sind es nicht die exakten FQ-Themen, doch die Übungen sind fast identisch. Außerdem steht man nach einem solchen Seminar dann bei der FQ nicht wie der Ochs vorm Berg, da man alles einfach schon mal davor gemacht hat. Außerdem lernt man in einer Vielzahl von Gesprächen mit Psychologen eine Unmenge über sich selbst, und dass kann nie schaden. Dadurch, dass man eine Woche mit anderen Gleichgesinnten verbringt, gibt das einem ebenfalls ein großes Stück Lockerheit. Und das ist meiner Meinung nach entscheidend, denn bei der FQ kommt es auf KEINEN Fall darauf an, eine Rolle vorzuspielen, sondern sich selbst natürlich und authentisch zu präsentieren. Denn auf Vorspielen fällt dort kein Psychologe rein und schon ist man draußen. Und nur wenn man man selbst ist, liegt einem der Beruf auch wirklich und man macht sich nicht selbst nur etwas vor. Tja, ansonsten sollte am entscheidenden Tag nur sowohl Anzug als auch Frisur sitzen und am weitesten kommt man wohl wenn man natürlich, sympathisch und kompetent rüberkommt. Wie das geht muss jeder selbst rausfinden, mein Weg nur als Inspiration, denn sonst sind wir ja wieder beim "eine Rolle spielen"!  Für das Medical gibt es als Vorbereitung nichts zu tun, außer dass man einige Zeit vorher keinen Mohn mehr essen darf, um nicht beim Drogentest aufzufallen. Dennoch will ich nicht leugnen, dass ein Effekt auftritt, dass man vor dem Medical plötzlich mehr Sport als normal macht, nur noch gesundes Zeug isst und sich außerdem an alle möglichen Wehwehchen zurückerinnert, die man irgendwann einmal hatte. Mit diesem kurzfristigen, positiven Lebenswandel lässt sich jedoch höchstens das Gewissen beruhigen. Für den gesunden Durchschnittsbürger sollte also beim Medical eigentlich nichts schief gehen.

 

Prolog

 

Anfang 2006

 

Die Schulung zum Verkehrsflugzeugführer für die Lufthansa gliedert sich in drei Phasen. Phase I und III werden von der Lufthansa Flight Training (LFT) in Bremen durchgeführt. Die ersten beiden Ausbildungsphasen dauern ca. ein halbes Jahr, der letzte Teil, inklusive Typeraing und MCC, entsprechen ein Jahr. Die ersten praktischen Erfahrungen werden in der zweiten Phase bei ATCA in Goodyear/Arizona, USA, gesammelt. Das dabei eingesetzte Flugzeugmuster ist die Beechcraft Bonanza, ein robustes, einmotoriges Trainingsflugzeug. Nach etwa 18 Monaten hat man dann die theoretische ATPL in der Tasche. Nun erfolgen weitere praktische Flugstunden auf der Piper Cheyenne, einem schnellen zweimotorigen Turboprop-Flugzeug, welches von den Flugeigenschaften einem "echten" Verkehrsflugzeug schon recht nahe kommt. Abschließend geht es in Frankfurt zum Simulatortraining und Typerating, um auf den Berufseinstieg komplett vorbereitet zu sein. Einstiegsmuster ist dann A320, B737 oder A300 Bei Lufthansa Passage oder MD11 bei der Cargo. Je nach Bedarf oder Wartezeit besteht sowohl die Möglichkeit bei Condor auf A320, B757 oder B767 anzufangen, oder bei Germanwings auf dem A320.Läuft alles glatt, wird man sich nach etwa 2 Jahren seit Ausbildungsbeginn auf dem rechten Sitz eines Airliners der genannten Gesellschaften wieder finden. Im Vergleich zu einer ATPL-Ausbildung an einer Flugschule auf dem freien Markt ist bei der LFT das Besondere, das der Auszubildende erstens nur einen Teil der Ausbildungskosten tragen muss und zweitens diesen nur dann zurückzahlen muss, wenn er auch tatsächlich vom Lufthansa Konzern, oder notfalls auch von der Konkurrenz, übernommen wird. Die enormen finanziellen Risiken bleiben somit fast vollständig aus. Außerdem bietet der Lufthansa-Konzern neben einer angemessenen Bezahlung, ein großes und abwechslungsreiches Streckennetz, sowie interessante Flugzeug-muster. Durch diese Fakten ist die LFT natürlich erste Anlaufstation für alle die, die ihre ATPL machen möchten. Dementsprechend sind erstmal zwei je zweitägige Auswahltest erfolgreich zu durchlaufen, um einen der heiß begehrten LFT-Plätze zu ergattern. Die erste Testphase ist die "BU" (=Berufsuntersuchung), die zweite die "FQ" (=Firmenqualifikation). Ca. 95% der Bewerber scheitern an diesen Tests.

 

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