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Bemerkung:
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Die Wartezeit auf
Berufsbeginn und auf einen Arbeitsplatz bei Lufthansa geht
weiter und weiter...
Sommer 2010 soll es losgehen sagt man uns, wie realistisch das
ist oder nicht weiß kein Planer und wahrscheinlich nicht einmal
der liebe Gott, denn viel zu sprunghaft und unvorhersehbar ist
die Zukunft einer Fluggesellschaft und in den Tagen des
wirtschaftlichen Tieffluges natürlich noch umso mehr.
Doch unerwartet gibt es
die Chance -ironischerweise bei der direkten Konkurrenz- als
Leiharbeiter entsandt zu werden und ein baldiger Berufsstart
rückt unversehen deutlich näher. Kurz vor Weihnachten werde ich
bei Interpersonal in Hamburg, einer Personalvermittlungsagentur
speziell für Piloten, einen Vorstellungstermin haben um
vielleicht schon bald im neuen Jahr befristet für Air Berlin zu
fliegen. Wahrlich erfreuliche und zugegebenermaßen unerwartete
Aussichten...
Air Berlin A319 im Anflug
auf das winterliche Zürich
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Landetraining |
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September
2009 |
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Nachdem ich nun ein paar
Tage zuvor meinen Abschluss-Checkflug im Simulator erfolgreich
über die Bühne gebracht hatte, winkte als Belohnung Anfang
September die Abarbeitung des letzten noch notwendigen
Puzzleteils für die offiziellen Ausstellung meines Typeratings.
Um das Typerating für ein spezielles Flugzeugmuster in seine
Lizenz eingetragen zu bekommen fordert das Luftfahrt Bundesamt
neben besagtem Simulatorcheck mindestens sechs Landungen im
echten Flugzeug. Normalerweise fordert Lufthansa für seine neuen
Piloten noch einige Landungen mehr, aber da wir ja nach dem
Typerating nicht wie sonst üblich direkt in den Arbeitsalltag
starten sollten, wurde sich in unserem Falle auf das gesetzliche
Minimum beschränkt und die ausstehenden Landungen dann vor
Arbeitsbeginn quasi als Auffrischung nachgeholt werden. Trotz
dieses kleinen Mankos waren wir alle gespannt und harrten
freudig und natürlich auch ein wenig aufgeregt den Dingen die da
kommen sollten. Zumal wir nur wenige Tage vorher vom
ursprünglich geplanten Trainingsflughafen Rostock / Laage wegen
zu schlechtem Wetter nach Zadar in Kroatien "umgebucht" wurden.
Wir freuten uns also auf ein Wochenende mit Sonne, Meer und
darauf zum ersten mal am echten Sidestick zu rühren.
Am frühen Morgen fand sich
ein bunt gemischter Haufen aus (Fast-) Copiloten, Ausbildern,
Angehörigen die bei diesem Event mit von der Partie sein durften
und noch ein paar Menschen aus dem Konzern mehr, die davon Wind
bekommen hatten, dass wir nach Zadar flogen und diese
Gelegenheit nutzen um dort ein wenig Privaturlaub zu nehmen, am
Flughafen München ein. Insgesamt waren wir etwa fünfundzwanzig
Menschen, ein guter Schnitt durch alle Alters und
Bevölkerungsschichten, und diese ungewöhnliche Reisetruppe
machte sich im für eigentlich 132 Passagiere ausgelegten Airbus
A319, Kennzeichen D-AILB, breit.
"Mein" A319 D-AILB beim
Start in Frankfurt. Ein älteres Bild, die weiße Nase hier hat
inzwischen ihren "normalen" Anstrich wiederbekommen.
Die Stimmung an Bord war
sehr ausgelassen und während unsere Ausbilder uns bei geöffneter
Cockpittür nach Zadar flogen, genossen alle Passagiere die an
diesem Tag spektakuläre Aussicht über den Alpen. Natürlich war
es ein schönes Gefühl, denen, die noch nie im Cockpit geflogen
waren den dortigen Arbeitsalltag zu zeigen, aber am
beeindruckensten war es zu sehen, wie die schon seit zig Jahren
selbst fliegenden Ausbilder an so einem klaren Tag ihre Kameras
zückten und immer noch ins schwärmen gerieten bei einer solchen
faszinierenden Aussicht. Ein tolles Zeichen zu sehen, dass der
Beruf auch nach so vielen Jahren seinen Reiz - zumindest nicht
komplett - einbüßt.
Bei schönstem Wetter führt
und unsere Flugroute von München nach Zadar über die auch im
Sommer verschneiten Gipfel der Alpen.
Nach nur einer knappen
Stunde Flugzeit näherten wir uns Zadar und konnten über den
küstennahen Gebirgszügen eine klassische Windsituation erleben,
die bewies dass all die auf der Flugschule gelernte Theorie
mitunter doch sehr praxisnah sein kann. Die für diese Region
typischen Bora-Winde nämlich machen sich durch ein wie
abgeschnitten wirkendes Wolkenband über den Gipfeln und einen
ansonsten wolkenlosen Himmel und ein aufgewühltes Meer
bemerkbar. Diese Fallwinde, die wie ein Wasserfall aus den
Bergen an die Küste wallen können sehr stark und turbulent sein
und den Flugverkehr im Extremfall gefährden. Unsere Ausbilder
waren sich dieser Situation natürlich bewusst und stellten den
ersten Trainingstag in Frage, auch wenn die in Zadar gemeldeten
Winde innerhalb der Trainingslimits lagen. Das ganze jedoch
diskutierten wir alle zusammen nochmals in Ruhe, nachdem wir mit
einem kräftigen Rumsen, also einer sehr sicheren Landung, in
Zadar aufsetzten. Laut Ausbildern war diese harte Landung so
gewollt, denn per Cockpitansage folgte prompt die Aussage, diese
Landung sei nur deswegen so hart gewesen um Flugschüler nicht zu
sehr unter Druck zu setzten. Herzlichen Dank dafür, denn
inzwischen schlug das Herz natürlich schon ein paar Takte
schneller...
Im Anflug auf die Bahn 04
in Zadar, mit der Borawind Situation ganz im Hintergrund und der
Stadt Zadar an der Küste.
Da sind wir: Zadar Airport
Nachdem wir nun angekommen
waren und den Flieger auf dem Vorfeld abgestellt hatten, mussten
wir entscheiden wie es weiter ging. Inzwischen hatte sich der
Wind etwas abgeschwächt aber blies dennoch nahe dem erlaubten
Maximum für Trainingsflüge von der Seite. Die Vorhersage jedoch
deutete darauf hin, das der Wind im Laufe des Tages weiter
abflauen sollte und auch von unseren Ausbildern wurde die
Situation nicht so gravierend eingeschätzt wie sie auf dem
Papier stand. Wir einigten uns schließlich darauf, dass zunächst
unser Ausbilder eine Platzrunde fliegen sollte um die
Windsituation zu erfühlen. Da ich als zweiter Flugschüler dran
sein sollte mit Fliegen nahm der Ausbilder auf dem
Kapitänssitz platz, mein Flugschulkollege auf dem des ersten Offizieres und ein weiterer Ausbilder und ich selbst auf dem
Jumpseat im Cockpit. Es zeichnete sich jedoch schon nach
der Ersten Platzrunde ab, dass die Turbulenzen und die Winde bei
weitem nicht mehr so stark waren wie ungefähr eine Stunde davor,
als wir aus München kommend gelandet waren. Folglich stand
unseren Trainingsflügen nichts mehr im Wege. Die Anspannung war
nun auch sehr hoch und wir wollten es jetzt einfach nur noch
selbst erleben und hinter uns bringen.
Erstmal noch dem Chef über
die Schultern schauen bevor es losgeht.
Nachdem mein
Trainingskollege als erster geflogen war und den Airbus sechsmal
gut landete rollten wir nochmals zum Vorfeld zurück um dort
Sitzwechsel zu machen. Meine Aufregung war natürlich sehr groß
gewesen, doch mit dem schließen des Sicherheitsgurtes auf dem
Copilotenplatz war diese wie weggeblasen. Nach einer vor uns
startenden kleinen Maschine der in Zadar ansässigen Flugschule
Intercockpit, durften wir auf die Piste rollen und drehten uns
an deren Ende mit Blick Richtung Landesinnerem um 180° um und
schon kam per Funk "Lufthansa 1, Runway 04, cleared for take-off".
Von da an lief alles wie im Film, und fast so als hätten wir
alle noch nie etwas anderes getan. Mein Ausbilder setzte die
Triebwerke auf Vollgas, und mit der Aussage "You have control"
steuerte ich den Vogel. So einfach war das. Tatsächlich verhielt
sich das Flugzeug nahezu identisch mit dem Simulator aber ich
war überwältigt von der detaillierten Geräuschkulisse und der
Aussicht die im Simulator nicht annähernd so perfekt war wie
eben im echten Flieger. Von dort an ging natürlich alles sehr
schnell, und ich war zu konzentriert um wirklich etwas zu denken
oder zu fühlen. Die erste Landung klappte perfekt und von
Platzrunde zu Platzrunde gewann ich mehr Sicherheit und konnte
dann während des kurzen Geradeausflugs parallel zur Piste auch
immer mehr und mehr Anfangen das Erlebnis zu genießen. Insgesamt
flog ich sechs Landungen und einen Go-Around, aber dennoch
vergingen die Zeit rasend schnell und nach einer knappen Stunde
setzten wir schließlich zur ersten "echten" Landung an. "Echte"
Landung, da wir davor nach dem Aufsetzten immer sofort wieder
Gas gaben und wieder abhoben und dieses mal abbremsten um in den
Feierabend zu rollen.
Meine ersten Runden im
Airbus über dem türkisfarbenen Mittelmeer.
Auch die letzte Landung
klappte zufrieden stellend und mit maximalem Umkehrschub bremste
ich das Flugzeug ab und übergab die Kontrolle, ganz so wie
gelernt, wieder dem Kapitän. Das war's. Das Gefühl davor war
aufregend, das Gefühl dabei war kaum vorhanden und das Gefühl
danach war einfach nur erleichtert und gut. Natürlich sah man,
dass wir Flugschüler auch weiterhin noch viel lernen und am Ball
bleiben müssen, aber etwas für uns so Wichtiges geschafft zu
haben, war schlichtweg überwältigend.
Geschafft: Wir haben
Feierabend und unser Flieger eine Pause bevor die nächste Crew
landen übt.
Zurück auf dem Vorfeld
schalteten wir die Triebwerke aus, füllten etwas Papierkram aus
und verließen das Flugzeug und wir Flugschüler konnten die
Schweißflecken auf unseren Hemden im warmen, kroatischen Wind
trocknen. Kurze Zeit später kam die andere Hälfte der
"Reisegesellschaft" und übernahm das Flugzeug um weiter zu
trainieren. Den Rest des Tages verbrachten wir dann in einem
Hotel am Meer und genossen diese circa vierundzwanzigstündigen
Kurzurlaub. Abends traf sich dann die gesamte Crew samt
Flugschülern und Angehörigen zu einem ausgiebigen Abschlussessen
um diesen für uns unvergesslichen Tag abzurunden. Und ja, auch
wenn wir später unzählige Stunden im Airbus sitzen und ihn
tausende Male landen werden, das erst Mal bleibt einfach etwas
ganz Besonderes und Unvergessliches. Etwas, das niemals im
Alltagsleben untergehen wird. Einfach etwas Unvergessliches.
Vor dem Flug nach Hause
nochmals unser Flugzeug.
Einige Wochen später fand
dann auch ein Brief vom Luftfahrtbundesamt seinen Weg zu mir.
Enthalten war meine fix und fertig ausgestellte, quasi noch
druckfrische Fluglizenz, die mich also berechtigt alle Airbusse
der A320 Serie kommerziell zu fliegen. Zu diesem Zeitpunkt
allerdings schaute die Zukunft nicht besonders gut aus bald bei
Lufthansa eingestellt zu werden. Das Ganze war uns natürlich
aber schon vor Beginn des Typeratings bewusst, weswegen sich der
Unmut darüber in Grenzen hielt. Garantiert hatten wir ja unseren
Job und früher oder später würden wir auch eingestellt werden.
Deswegen verstreuten sich nach diesen erlebnisreichen knapp 48
Stunden die bunt gemischte Reisegruppe wieder in alle Richtungen
und jeder harrte auf seine Weise auf die Dinge die da noch
kommen mögen!
Das Ziel in Schriftform:
Berufspilotenlizenz mit Airbus Typerating.
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Abnormal-Phase |
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August 2009 |
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Three witches watch three
swatch watches.
Which witch watches which swatch watch?
Three switched witches watch three swatch watch switches.
Which switched witch watches which swatch watch switch?
Three swiss witch-bitches which wish to be switched swiss
witch-bitches whish to watch three swiss swatch watch switches.
Which swiss witch-bitch which wishes to be a switched swiss
witch-bitch whishes to watch which swiss swatch watch switch?
Na? Fehlerfrei
durchgekommen?
Dieser englische -und nicht ganz jugendfreie Zungenbrecher- den
ich eines schönen Tages an der Tafel in unserem Simulator Raum
fand hat auf den ersten Blick mit Sicherheit nichts mit dem doch
sehr ernsten und wichtigen Thema der "Abnormal Phase" zu tun,
bei der es um das Trainieren aller möglichen Systemausfälle und
Notfallszenarien ging.
Spaß muss sein. Die
inzwischen schon fast zu Kultstatus aufgestiegenen Sprüche des
Tages. Hier der Zungenbrecher als Sinnbild für das Abhandelnd
eines Abnormals im Airbus.
Auf den zweiten Blick
dagegen ist dieser Zungenbrecher symbolisch für das typische
Abhandeln eines Notfallverfahrens im Airbus. Nun aber genug der
Zungenbrecher und queren Gedanken, jetzt mal Klartext:
Nachdem die "Normal Phase"
abgeschlossen war und ich damit den A320 im Normalbetrieb sicher
bedienen konnte wurde es zunehmend realistischer, denn natürlich
läuft nicht immer alles ganz nach Plan. Das muss natürlich nicht
heißen, dass gleich alles hart auf hart kommt. Der Airbus
erleichtert es den Piloten doch enorm mit einem Fehlverhalten
eines Systems umzugehen. Letztlich macht es dann keinen
wirklichen unterschied ob dies ein einfaches Versagen eins
Computers oder einer Spritpumpe ist, oder ob ein Triebwerk
brennt. Praktischerweise werden alle notwendigen Schritte die
notwendig sind um mit so einer Unregelmäßigkeit zurecht zu
kommen auf dem oberen der beiden mittleren Bildschirme Schritt
für Schritt und sauber geordnet dargestellt. Das System gibt
über eben diesen Bildschirm danach Rückmeldung um das notwendige
Schalten erfolgreich war oder nicht. Auf Grund der Komplexität
des Systems Airbus und der Vielzahl der eingebauten
Computersysteme die sich allesamt gegenseitig überwachen und
fast immer mindestens zweimal vorhanden sind ist die Vielzahl an
Möglichen Fehlern die Auftreten können natürlich extrem hoch. Es
würde den Rahmen sprengen alle diese Fehler im Simulator zu
übern, zumal wie oben angedeutet das Reagieren der Piloten auf
diese Fehler immer das selbe ist: Mit Hilfe der bereits
Angesprochenen Computerliste (ECAM-Procedure) und einer
genauestens festgelegten Wortwahl sollten die Piloten in der
Lage sein mit jedem auftretenden Fehler problemlos klarzukommen.
Diese Sprache und das Wording ist dabei teilweise ebenso
umständlich und Zungenbrecherisch wie der Text oben. Aber es ist
immer Gleich und damit sicher, und das ist das große Geheimnis.
Alles in allem übten wir in dieser Phase dann aus jedem
"Themenbereich" einige Fehler beispielhaft. Dies fing an an mit
Generatorproblemen, hydraulische Probleme, elektrische Probleme,
Triebwerksprobleme und Klimaanlagenprobleme.
Am Ende dieser Phase stand dann auch der Abschlusscheckflug an,
welcher uns bescheinigte, dass wir die Simulatorphase
erfolgreich abgeschlossen hatten und der gleichzeitig auch
relevant für das Ausstellen des Typeratings in der Pilotenlizenz
war. Diesen flogen wir dann zum ersten mal auch in der normalen
Crew-Zusammensetzung, also mit einem ganz normalen Kapitän links
neben uns, der diesen Checkflug ebenso als seinen regelmäßigen
Lizenzerhaltungscheck absolvieren musste. Das ganze lief absolut
problemlos und machte sogar ein bisschen Spaß und natürlich war
auch ein großer Lerneffekt dabei. Diese Checkflüge sind dabei
immer recht ähnlich aufgebaut, so beginnt er Anfangs mit einem
so genannten Low Visibility Teil, also Start und Landung bei
Sichtweiten von 125 bzw. 75m , gefolgt von einem
Triebwerksausfall beim Abheben mit Abhandlung des Procedures und
anschließendem Durchstarten und erneutem landen und einem
variablen Teil, welcher bei uns dieses Mal Fahrwerksprobleme
beinhaltete.
Dieser Check war dann auch der vorerst letzte Flug im Simulator,
schon wenige Tage später dann sollte es zum Landetraining mit
dem echten Airbus gehen um die vom Luftfahrtbundesamt
geforderten sechs Landungen zu absolvieren, bevor das Typerating
offiziell ausgestellt wurde. Lange Zeit sah es danach aus als ob
es für unser Team dabei nach Rostock gehen sollte, doch auf
Grund von schlechtem Wetter im Norden und stürmischem Wind
änderte sich das ganze kurzfristig auf Zadar / Kroatien. Statt
Hering also gegriller Fisch und statt windiger Ostsee warmes
Mittelmeer. Uns sollte es Recht sein...
Im Anschluss an die
vorangegangene Jet-Orientation galt es jetzt zunächst
routinierter im Umgang mit dem A320 zu werden. Dazu zählten
anfangs ausschließlich das Üben von Ab- und Anflügen. Nach und
nach forderte der Syllabus weiter Elemente hinzuzufügen, so das
am Ende beispielsweise Flüge von einem Flughafen zum nächsten
auf dem Programm standen. Jede Flugstunde hatte einen speziellen
Schwerpunkt, wie etwa ein besonderes Anflugverfahren an einem
Airport oder auch besondere Terrainsituationen die es natürlich
ebenso zu berücksichtigen gilt. Anfangs flogen wir noch fast
ausschließlich von Hand, durften nach und nach immer mehr
Funktionen des extrem leistungsstarken und umfangreichen
Autopiloten des Airbus hinzunehmen. Neben enormer Vereinfachung
der Routinehandgriffe und Erleichterung bei der Steuerung des
Flugzeuges hat dieses System natürlich auch seine Tücken, welche
für uns ungeübte Piloten mitunter deutlich mehr Belastung als
Erleichterung mit sich brachten. Aber auch hier gilt natürlich
dass mit steigender Routine diese Probleme immer mehr aus der
Welt geschafft wurden.
Mit diesen Flugstunden im Simulator ging parallel das
Theorietraining los. Um mit der Technik dieses Flugzeuges immer
vertrauter zu werden, hatten wir zur Vorbereitung auf die
Flugstunden die Aufgabe, mit Hilfe von Computerprogrammen und
einem 1,5m hohen Papierstapel aus Handbüchern und
Dienstvorschriften, uns dieses Wissen selbst anzueignen.
Natürlich ist fliegerisches Können und theoretische
Systemkenntnis nur ein Teil um ein Flugzeug sicher bedienen zu
können. Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist der Faktor Mensch
im ganzen System Luftfahrt. In erster Linie natürlich wir
Piloten selbst, aber auch die Fluglotsen oder Bodenmitarbeiter
tragen ihren Teil zu einem sicheren und guten Flugablauf bei. Da
der Mensch nun einmal nicht perfekt funktioniert und je nach
Laune und Verfassung mitunter haarsträubende Fehltritte begeht
ist es natürlich umso wichtiger sich dieser Tatsache bewusst zu
sein. So war es auch sehr spannend an Hand von Fallstudien, also
in der Vergangenheit passierten Flugzeugzwischen- oder -unfällen
aus den Fehlern die damals gemacht wurden zu lernen, für einen
selbst die entsprechenden Schlüsse zu ziehen und bei mitunter
sehr emotionalen Diskussionsrunden mit den Ausbildern daraus zu
lernen um Ähnliche Vorfälle in der Zukunft vermeiden zu können.
Außenansicht des Full
Flight A320 Simulators. Eine Stunde hierin kostet mehrere
hundert Euro.
Der Briefingraum - meine
zweite Heimat für die Ausbildung
In unserem kleinen
Briefingraum in dem wir uns dazu immer vor und nach den
Simulatorstunden trafen um den Flug auszuwerten, verbrachten wir
so manche Stunde und eines schönen Tages, der Zufall wollte es
so und es war unmittelbar vor dem Beginn der nächsten
Ausbildungsphase in der wir die Handhabung von Notfallverfahren
erlernen sollten, entdeckte ich folgenden Spruch an der Tafel,
welcher mich mit einem schmunzeln auf das blicken ließ was uns
die nächsten Wochen erwarten würde: Abnormalitäten einhergehend
mit einer umfassenden Problemanalyse:
Lektion 1: Problemanalyse
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Jet-Orientation |
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Juni 2009 |
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Mein
Typeraing sollte in München stattfinden. Ein kleines Stück
östlich des Flughafens befindet sich in einigen Umgebauten
Lagerhallen das neue Trainings-Zentrum der Lufthansa Flight
Training. Es ist das kleinste neben Frankfurt, Berlin und Wien.
Aber es ist nagelneu und komfortabel. Neben unserem Airbus A320
Simulator befindet sich dort noch ein Embraer 195 der Swiss
Aviation Training darin, und gegen Ende meines Typeratings wurde
noch ein Airbus A330/A340 Kombi-Simulator der Lufthansa
aufgebaut. Also alles sehr überschaubar und familiär. Der
Simulator den wir benutzten war dem Airbus A320 D-AIPA
nachempfunden und ist der älteste A320 Simulator in der
Lufthansa Flotte. Interessant dabei ist, dass dieser noch aus
original Airbus Bauteilen besteht und auch die Software, die
diese Giganten steuert mit der des original Flugzeuges identisch
ist. Die Full Flight Simulatoren der neueren Generation dagegen
bestehen aus anderen Rechnersystemen, die im Nachhinein so
programmiert wurden, sich wie das entsprechende echte Flugzeug
zu verhalten. Und damit wir uns dennoch nicht wie in den frühen
90ern fühlten, hatte unser Simulator noch ein neues Grafiksystem
erhalten, welches den Blick aus den Fenstern simuliert.
Zusätzlich waren auch so genannte EFB "Electronic Flight Bags",
also elektronische Pilotenkoffer, installiert. Das sind die
beiden Bildschirme ganz links und rechts auf dem folgenden Bild,
auf denen man Anflugkarten und Handbücher direkt vom Laptop aus
anzeigen lassen kann. Bei vielen Airlines sind diese EFB's schon
in den Flugbetrieb integriert und auch Lufthansa wird diese
innerhalb der nächsten Zeit nach langer Erprobungsphase im
Linienbetrieb einsetzten.
"Mein" A320 Simulator mit
dem Kennzeichen "D-AIPA", ausgestattet mit der neuesten
Grafiksystemen und Electronic Flight Bag (EFB)
In diesem Simulator
tasteten wir uns dann an die Handhabung des Airbus heran. Der
Airbus A320 ist ein Fly-by-Wire Flugzeug, was bedeutet, dass die
Steuerflächen nicht wie in den meisten anderen Flugzeugen über
Seilzüge mit dem Steuerhorn verbunden sind. Vielmehr wird mit
dem Sidestick links und Rechts ein Steuercomputer bedient,
welcher die Piloteninputs optimiert und diese erst dann an die
Steuerflächen weiterleitet. Ein einfaches Beispiel dabei ist
etwa, dass wenn man in einem konventionellen Flugzeug eine Kurve
fliegen will, so muss man das Steuerhorn auslenken und
zusätzlich etwas nach hinten ziehen um in der Kurve keine Höhe
zu verlieren. Im Airbus dagegen wird das Flugzeug einfach mit
dem Sidestick in die Kurve gerollt und man kann dann quasi
diesen dann loslassen und die Steuercomputer halten das Flugzeug
auf der Höhe und solange im Kurvenflug, bis der Pilot dann mit
dem Sidestick ein Rollkommando in die entgegen gesetzte Richtung
gibt. Wahrlich eine feine Sache, an die wir uns aber natürlich
erst einmal gewöhnen mussten. Hierfür war diese Jet-Orientation
grundsätzlich gedacht, genauso wie für die Eingewöhnungszeit an
ein Jet-Flugzeug. Bisher waren wir ja nur Propeller und
Turbopropflugzeuge geflogen. Diese haben die für Piloten
angenehme Eigenschaft bei der Reduktion des Schubes quasi in der
Luft abzubremsen, wohingegen ein Jet Triebwerk beim herausziehen
der Gase erst einmal fast genauso schnell weiterfliegt. Dieser
Umstand erfordert natürlich umso größeres Vorausdenken und
Antizipieren der Handgriffe im Cockpit.
Weitere Kleinigkeiten erforschten wir und sei es nur das
richtige Einstellen der Pilotensitze, was gar nicht so einfach
ist und für eine gelungene Landung beispielsweise elementar
wichtig ist. Das ganze ging dann schon fast spielerisch nach dem
Prinzip "Anfassen und Entdecken", was aber einen Heidenspaß
machte und die Vorfreude auf die kommenden Simulatorstunden
enorm steigerte. Es war natürlich ein tolles Gefühl zum ersten
Mal in diesem Flugzeug zu sitzen und es zu bedienen. Nach nur
wenigen Flugstunden hatten wir uns dann auch soweit an dieses
Flugzeugprinzip gewöhnt, dass wir mit der Normal Phase beginnen
konnten.
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Schneller als man denkt |
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Juni 2009 |
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Zugegeben, wieder einmal ist viel zu viel Zeit vergangen seit
ich mich das letzte Mal hier an dieser Stelle gemeldet habe.
Auch wenn ich das ein oder andere Mal einen neuen Eintrag
verfassen wollte, so –ich gestehe es- scheiterte es
jedes Mal am dazu notwendigen Elan. Mich jetzt als faul
abzustempeln wäre sicherlich nicht verkehrt, aber vielleicht
auch nicht ganz gerechtfertigt. Die Hintergründe warum ich so
lange auf mich hab warten lassen sind dabei sehr
vielschichtig:
Das soll hier nicht als Ausrede aussehen, aber vielleicht ist
es das ein oder andere Mal sinnvoller den Ball etwas flach zu
halten und nicht bei jedem einzelnen auftippen desjenigen auf
dem Boden, sprich bei jedem Auf und Ab, einen Eintrag auf
diesem Blog zu verfassen. Mein Ziel beim Verfassen dieser
Zeilen ist Grundsätzlich die Qualität aufrecht zu erhalten.
Masse und Qualität schließen sich dabei meist aus, ein
wahrlich unbefriedigender Zustand, doch in meinen Augen die
Realität. Doch wenn die Frage bisher noch nicht aufkam, dann
tut sie es spätestens jetzt: „Was will uns der Verfasser damit
sagen?“
Ganz einfach, seit dem letzten Eintrag hier ist wieder eine
ganze Menge passiert. Nicht nur schönes, auch weniger schönes
oder –und das trifft auf das Meiste zu- Dinge von denen man im
Moment noch nicht sagen in welche der beiden Kategorien sie
fallen.
Da es hier ja ausschließlich um das Fliegerleben gehen soll,
fallen schon einige schöne Dinge weg, die allesamt mein
Privatleben betreffen und sich in den Vergangenen Monaten
ereignet haben. Beruflich –und darum soll es hier ja gehen-
liegt eine turbulente Zeit hinter mir, deren sogenannte
Luftlöcher (die es übrigens gar nicht gibt) sind immer noch
spürbar.
Findige Menschen haben es sich zum Ziel gemacht denn Sinn
ihres Lebens, ihre Ziele, Wünsche, Glücksgefühle und Abgründe
mit einem einzigen, metallisch glänzenden oder knisternden und
Kokainspuren aufweisend Gegenstand zusammenzufassen: Geld.
Und das dieses dieser Tage in der Wirtschaft Mangelware ist,
ist ein offenes Geheimnis. Dank internationaler Finanzkrise,
Neuausrichtungen von Unternehmen, Kostendruck und gesunkener
hochpreisiger Reiselust steckt die Luftfahrt in einer Krise.
Direkte Folge für mich war somit, dass es nach dem Abschluss
der Cheyenne-Phase in Bremen nicht wie noch direkt davor
geplant mit dem Typerating und dem Berufsalltag im Cockpit
losging. Stattdessen musste ich sieben Monate warten, mit mal
mehr mal weniger klaren Zukuntsperspektiven. In dieser Zeit
gab es viele Gerüchte wie es weitergehen wird, so bewarb ich
mich um einen Cockpitarbeitsplatz bei Swiss European auf dem
AvroRJ, welche mir auch zugesagt wurde. Doch wie immer im
Leben passiert entweder nichts, oder alles auf einmal: So
lehnte ich diese –sicherlich reizvolle und interessante-
Möglichkeit letztendlich ab. Der Gründe dafür waren
vielschichtig, zusammengefasst wäre es zwar eine Spannende
Arbeit welche auch nicht schlecht bezahlt ist, aber die
Arbeitsbedinungen ließen sich nur schwer mit meinen Privaten
Lebensvorstellungen unter einen Hut bringen und die
Zukunftsaussichten bezüglich des Wechsels zurück zur Lufthansa
könnten sich als unvorteilhaft erweisen. Freunde von mir sind
inzwischen bei Swiss, die Zeit wird also Zeigen ob es eine
gute oder eine schlechte Entscheidung war. Der Hauptgrund
dieses Angebot abzulehnen, war jedoch ein anderer: Ein
Lizenztyperating für Lufthansa auf dem Airbus A320 wurde mir
angeboten. Und das, war defintiv eine gute Nachricht. Zwar
würde es nach Abschluss dieses Typeratings immer noch keinen
Arbeitsvertrag geben, aber am Ende würde ich ein voll
lizensierter CPL-Inhaber mit Airbus A318/A319/A320/A321
Typerating sein. Damit wäre ich natürlich auch innerhalb von
wenigen Wochen bereit, nach kurzer Auffrischung vom
–immernoch- Fußgänger zum Copilot zu werden. Eine zwar nicht
optimale Lösung, aber dennoch eine sehr sinnvolle. Für beide
Seiten, denn die Lufthansa nutzt so die momentan freien
Trainingskapazitäten und uns Flugschülern kann ein Typerating
-wenn auch ohne anschließenden Arbeitsvertrag- zugeteilt
werden. Das ganze auch noch insofern praktisch, weil so die
bisherige Theorie und Praxis die wir gesammelt haben vor dem
Verfall, den es tatsächlich gibt, geschützt ist. Also los, auf
ins Airbus A320 Typerating. Endlich wieder Fliegen und endlich
eine Perspektive. Los geht's!
Fast zu meinem Arbeitsgerät
geworden, der Avro RJ der Swiss European...
Der rechte Sitz in genau
diesem Cockpit hätte mein Arbeitsplatz werden können. Doch es
kam anders...
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