Bemerkung:
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Gegroundet

 

März 2008

 

...bin ich nun zumindest bis Ende des Jahres, vorausgesetzt ich werde bis dahin nicht von meinem riesigen Berg von Lernunterlagen erdrückt, die es bis zum Sommer zu lernen gilt. Denn nun, nach der Rückkehr aus USA muss weiterhin die Schulbank gedrückt werden, um 13 Themengebiete für interne Tests neu zu erlernen, nebenher in dem was manche Leute Freizeit nennen mögen, 49 Themen für den ATPL lernen und dann sollte man sich zumindest ein wenig für das in zwei Wochen anstehende AZF, das hochwertigste Funksprechzeugnis vorbereiten. Aber als Belohnung winkt in drei Monaten der Erhalt des Führerscheins für Passagierflugzeuge. Nun, ich wage zu Behaupten, dass ich in den nächsten Monaten von Langeweile verschont bleiben werde. Und das ist doch was!

Bei all der Beschäftigung wirkt die Phoenix Zeit schon als ob sie Monate her ist. Aber da gibt es noch ein paar Bilder, die die Erinnerung wieder zwischen all den Formeln, Paragraphen und Regulationen hervorrufen. Und Rückblickend lässt sich sagen: Einprägsam war's. Meistens recht schön manchmal der Horror, aber missen möchte ich die Zeit auf keinen Fall. Auf dass die Erinnerungen und die Vorfreude auf ähnliche Flieger-Erlebnisse die anstehende Durststrecke ein klein wenig versüßen...

Schwarz auf weiß :)

 

Und die von mir handsignierte sog. Hood vom Final Check

 

Ein traumhafter Sonnenuntergang rundet eine intensive Zeit ab. Na, manchmal muss es eben wie im Film sein :)

 

Liebeserklärung an ein unbekanntes Flugzeug

 

Januar 2008

 

Sicher, Metall und Holz sind wohl eher langweilige Zeitgenossen. Etwas Gummi untenherum und fürchterlich stinkendes Avgas Flugbenzin tragen keineswegs zu einer großartigen Veränderung dieses Eindrucks bei. Nun, Oberflächlichkeit ist eben auch hier fehl am Platz. So öffne ich mit einem gekonnt brutalem Handgriff diesmal auf Anhieb die Seitentüre und genieße den wohlig modrigen Geruch mit einer sanften Note von Schweiß im Abgang. Herrlich! Flink klettere ich in das enge Piloten - Separée und Verheddere mich erst einmal mit meinem Headset Kabel am Tankwahlschalter. Inspiriert von diesen Erlebnissen und von dem Ölfleck auf meiner Hose, den ich mir beim Motor-Check zugelegt hatte, schweife ich ab und überlege mir warum gerade so ein Charakterstarkes Flugzeug mich im letzten Monat problemlos von A nach B gebracht hat. Denn schließlich begegneten mir auf unseren langen gemeinsamen Reisen durchaus viele hübsche und gut gebaute Konkurrenten, die mit glänzendem Lack und kraftvollen Triebwerken um meine Hand betteln. Ein sehr reizvolle Dame traf ich eines schönen morgens am Flughafen von Palm Springs. Diese Stadt liegt unter dem Meeresspiegel in einem weiten Tal, welches eng von 3.000 m hohen Bergen begrenzt wird. Der Flughafen lieg unmittelbar unterhalb dieser steilen Felswände. Vor eben dieser Felswand dann konnte ich ein Erinnerungsfoto der hübschen Dame schießen:

 

Geldverschwendung in Form riesiger Businessjets in Palm Springs

Wie sich herausstellte hieß sie Gulfstream V und erzählte mir bei einer Tasse Kerosin dass sie aus beruflichen Gründen in Palm Springs sei. Ihre Aufgabe sei es stinkreiche Rentner, die sich hier niedergelassen hatte zu befördern. Die von Ihr erzählten Geschichten über die Ansprüche eines solchen Klientels schwenkten mehr und mehr in ein ständiges Gejammer um, weswegen ich mich von diesem Klagen auf höchstem Niveau abwandte und mit meiner bodenständigen Bonny die Heimreise antrat. Bonny und ich verstanden uns auf diesem Flug sehr gut weswegen wir beschlossen in den nächsten Tagen gemeinsam an die Mexikanische Grenze, nach Nogales Arizona zu fliegen. Auf dem Flug dahin allerdings war es uns beiden wohl ein wenig langweilig, weswegen Bonny wie aus heiterem Himmel, unter Zuhilfenahme der Hand meines Fluglehrers, einen simulated Enigne-Failure, Rauch im Cockpit und einen Ausfall des Funkgeräts vorspielte. Na toll Bonny, du kannst auch jede so gemütliche Zweisamkeit in Stress verwandeln!

 

Anflug auf Nogales. Das abfallende Terrain sorgt für einige optische Täuschungen bei der Landung

Aber trotz diesen nervenden launischen Gefühlsausbrüchen verstanden Bonny und ich uns in letzter Zeit immer besser. So verbrachten wir dann auch wenig später drei Nächte gemeinsam in denen wir wild umher flogen. Bonny ist zu dieser Tageszeit etwas verschüchtert und hilflos, denn sie ist eben für das Fliegen nach Sicht ausgerüstet. So musste ich nun umso vorsichtiger im Voraus Planen, damit wir beide nicht in irgendeiner kalten Nacht an einem Berg hängen bleiben. Aber was wir in diesen drei Nächten erlebten, war doch eines der geilsten Fliegerischen Dinge bis dahin. Traumhaft schön sieht das riesige Lichtermeer von Phoenix aus und auf der anderen Seite scheint die Wüste nachts wie ein konturloses riesiges schwarzes etwas. Mitten in diesem schwarzen Loch durch mehrmaliges drücken des "Push to Talk Buttons" die Landebahnbefeuerung selbst anschalten zu können und dann auf diesem erleuchteten Flugzeugträger im Meer der Finsternis zu landen ist einfach ein einmaliges Erlebnis!

 

Highlight war das nächtliche VFR Fliegen

 

Die Wüste ist nachts wirklich sehr schwarz

 

Aber das war noch lange alles was wir beiden erlebten. So flogen wir beide ganz alleine ohne Fluglehrer mehr als 540km. Dies ist vom Luftfahrt Bundesamt so vorgegeben und mit Sicherheit ein angenehmes Gesetz der deutschen Aviatik - Autorität. Da es aber immer lustiger ist, je mehr Leute dabei sind, ging es zweimal in den Norden Arizonas, und auf dem einen Flug lag sogar Schnee! Bonny hat sich allerdings bei den eisigen Temperaturen ein wenig Erkältet und konnte an den Tagen danach nur noch heißen Tee trinken. Aber sie stimmte mir zu: Es war toll!

 

Lake Pleasant

 

Flugvorbereitung in Lake Havasu City

 

Parker, Spielhölle am Colorado

 

Winterwunderland

 

"Hoch" hinaus: 10.500ft. Immerhin etwa ein drittel der Reiseflughöhe eines Jets :)

 

Flagstaff

Nun schwelge ich in Erinnerungen, denn leider hielt dieses Glück nicht ewig. Bonny und ich haben uns nun für etwa einen Monat getrennt, denn sie ist nun viel damit beschäftigt andere Kurse durch die Gegend zu fliegen. Ich fühlte mich ein wenig alleine gelassen und war traurig, dass sich Bonny nicht mehr für mich zu interessieren schien. Frustriert lernte ich so ein etwas steifes und charakterloses Gerät kennen, welches sich am liebsten in einem dunklen Raum aufhält. Ihr Name ist FNPT. Zugegeben, das klingt nicht so wie Musik wie der Name Bonny, aber sie ist ja auch kein richtiges Flugzeug sondern ein Flugsimulator. Zwar sind die Erlebnisse mit dieser Dame nicht so emotional wie die mit Bonny, aber FNPT hat versprochen mir das Fliegen von Warteschleifen und Instrumentenanflügen ganz ohne sich nach draußen bei zu bringen. FNPT glänzt eben durch einen großen Theoretischen Wissensschatz und auch durch moderne Elektronik. Sie ist nagelneu und Leistungsstark und bietet mir -objektiv gesehen- nur Vorteile. Aber irgendwie bin ich im Gedanken immer noch bei Bonny und hoffe auf eine Versöhnung und weitere spannende Abenteuer in etwa fünf Wochen. Denn nun sollen es alle wissen: Bonny, ich liebe nur Dich!

 

Von Solos, Cross-Country Flügen, Sicherungen und anderen Köstlichkeiten

 

Dezember 2007

 

Viel ist passiert und wenig wurde darüber berichtet. Ein unbefriedigender Zustand - zugegeben. Doch nun da die zweite Phase der Ausbildung offiziell mit einem bestandenen Checkflug abgehakt ist, ist es höchste Zeit auf die Erlebnisse zurückzublicken. Dieser Abschnitt der Ausbildung bietet mit am meisten der Abwechslung. Nachdem man in der ersten Phase ausschließlich in einem Umkreis von knappen 50km um unseren Heimatflughafen Goodyear unterwegs war, so konnte man nun aus einer Vielzahl von Flughäfen in Arizona und Kalifornien auswählen und sich eine passende Flugroute selbst zusammen schustern. Denn der Schwerpunkt lag im Erlernen der Navigation und dem fliegen der Bonny mit Hilfe von errechneten Kursen und Zeiten und mit Hilfe von Karten. Definitiv war das Erkunden der Umgebung das Highlight dieser Phase, die zu wiederholende so genannte "Airwork" (Flugmanöver wie zum Beispiel Langsamflug, Strömungsabriss etc) konnte die Freude hier rüber kaum dämpfen.

Wahrscheinlich sagen die Folgenden Flughäfen kaum jemandem etwas, denn bis auf Tucson Intl. handelt es sich ausschließlich um kleine Flughäfen, aber ein Blick in den Atlas oder auf Google Earth wird wärmstens empfohlen :)
Blythe, Parker, Lake Havasu, Coolidge, Cottonwood, Williams Gateway, Wickenburg, Chandler, Deer Valley, Flagstaff, Falcon Field, Gila Bend, Glendale, Marana Regional, Pinal, Prescott, Ryan Field, Sedona, Scottsdale, Tuscon, Winslow

So eine Vielzahl von Flughäfen bietet neben viel Abwechslung auch viel Herausforderung. Jeder Flughafen hat seine eigenen Anflugsverfahren, Beschränkungen, Reize und Hindernisse. Hier mal eine kleine Zusammenstellung:

Lake Havasu:
Ein schöner Flughafen in der Nähe eines kleinen Sees im Nordwesten Arizonas. Auffallend hier ist der Service, denn kaum kommt eine ahnungslose Bonanza samt Insassen auf das Vorfeld gerollt, so wuselt ein Mitarbeiter der "Piloten-Lounge" herbei und weißt einem einen Parkplatz vor seinem Unternehmen zu, um Benzin an uns zu verkaufen. Einziger Schönheitsfehler: Unmögliche Beschilderungen und ein paar Missverständnisse ließen uns plötzlich von Firma A betanken, und bei Firma B (Konkurrenz) in der Lounge sitzen und dort Popcorn und Getränke zu uns zu nehmen... 'Tschuldigung an dieser Stelle.

Williams Gateway:
An sich kein schlechter Flughafen, aber bestes Beispiel wie überdimensioniert hier alles ist: Dieser Flughafen hat nicht weniger als drei parallele Landebahnen, obwohl von hier nur minimal viele kommerzielle Flüge starten und der sonstige Flugverkehr der General Aviation sich locker auf eine, maximal zwei Bahnen verteilen ließe. Nicht dass die Größe dieses Flughafens so schon ausreicht, nein, der Flughafen ist eine einzige Baustelle. Bis heute habe ich es auf keinem meiner Stopps hier geschafft mich nicht zu verrollen.

Chandler:
Um bei Größenwahn zu bleiben. Direkt etwa 5 km westlich vom eben genannten Williams Gateway liegt Chandler. Zwar hat dieser nur zwei Parallelbahnen (immerhin so viel wie München), aber diese sind unmöglich ausgerichtet. Eines schönen Abends wären wir hier fast auf einem benachbarten Rollweg gelandet, denn die abends tief stehende Sonne reduziert die Sicht enorm. Naja, durchgestartet und noch einmal probiert, so haben wir das hier ja gelernt...

Flagstaff:
Einer meiner Lieblingsplätze soweit, denn der Flughafen liegt mitten in einem Riesigen Tannenwald. Der Flughafen liegt im Norden Arizonas auf mehr als 2.000 m über dem Meer. Da brauch die gute, alte Bonny doch spürbar mehr Startstrecke.

Auch so kann Arizona sein. Über den Bergen bei Flagstaff. Am Horizont ist Humpry's Peak, höchster Punkt Arizonas (3.854m)

 

Pinal:
Südlich von Phoenix, in der Gegend von Tucson gelegen. Wie auf vielen anderen Flughäfen hier im trockenen Süden sind in Pinal ausgemusterte Flugzeuge gelagert. Aber in Pinal sind es so viele wie sonst fast nirgends. Unzählige Schätze stehen hier, neben DC9s und DC10s Tri-Stars, DC8 und Boeing 707. Zu gerne würde ich hier mit meiner Kamera herumlaufen, aber ein kleiner Blick von oben musste bis heute genügen:

Unzählige ausrangierte Flugzeuge warten in Pinal bei Tucson auf ihr Schicksal

 

Sedona:
Dieser Flughafen liegt ebenfalls im Norden Arizonas und ist ein gewisses Phänomen. Der Anflug ist atemberaubend, denn er führt sehr nahe an riesengroßen roten Klippen entlang und der Flughafen liegt auf einem Plateau, das einem Flugzeugträger gleicht. Erst einmal dort angekommen, muss ein seltsames Lufthansa-Ritual "durchlitten" werden. Man muss den dort angebotenen Apfelkuchen probieren um mitreden zu können. Nur mal so viel: Er schmeck nicht schlecht ;)

Rote Klippen in der Gegend von Sedona

 

Rote Klippen in der Gegend von Sedona

 

Anflug auf Sedona

 

Anflug auf Sendona zum Zweiten. Wer sagt dass Flugzeugträger immer im Wasser sein müssen?

 

Scottsdale
Zugegeben, ich bin erst einmal hier gewesen, aber der Flughafen versprüht seinen eigen Charme. Scottsdale ist das Viertel von Phoenix, dass für seine Nachtclubs, Striplokale und Puffs bekannt ist. Nun tummeln sich auf dem Flughafen von Scottsdale unzählige dicke Businessjets derjenigen die in diesem Gewerbe dick absahnen. Achja die Stimme der Ground-Controllerin dort ist übrigens auch ziemlich heiß. Aber ich habe schon einmal gehört, dass mitunter die hässlichsten Frauen die erotischsten Stimmen haben. Wahrscheinlich ist es also am besten, dass ich die Dame bisher nur gehört und nie gesehen habe.

Tucson
"Bonanza 8173C follow Boeing 737, Runway 11L cleared to land, caution wake turbulence" Dieser Satz beinhaltet eigentlich alles was es zu Tucson zu sagen gibt. Es handelt sich um einen "richtigen" Flughafen mit "richtigen" Flugzeugen à là B737, A320 oder MD80. Neben diesen Verkehrsflugzeugen fliegen die F16s der US Air Force vom ihrem nahe gelegen Stützpunkt aus, atemberaubende Manöver direkt neben unserer kleinen harmlosen Bonny. Formationsflug, Tiefflug, enorm Steile Climb outs etc. machen sie zu eine Augen- aber auf keinem Fall zu einer Ohrenweide.

Tucson Intl. und der Hauch der Weiten Welt

 

Leider ist die Bonny ein Flugzeug mit Charakter und sie beschloss auf an einem schönen Tag, dass sie keine Lust mehr hat anzuspringen. So weit so schlecht, denn die liebe Bonny stand zu diesem Zeitpunkt gerade in Sedona, was etwa 250km von Goodyear weg ist. Die Sicherung für den Startermotor war herausgesprungen, und ließ sich nicht mehr reindrücken, da sie blockiert war. Es muss wohl etwas im Sicherungsbrett durchgeschmort sein. Jedenfalls standen wir da und kamen nicht mehr weg. Mit dem Flugzeug konnte uns niemand abholen da wir zu dritt zu schwer waren, da Sedona auch relativ hoch liegt. Darum fuhren wir dann mehrere Stunden mit dem Mietwagen zurück und kamen abends nach Hause obwohl wir morgens um sieben abgeflogen waren. So was passiert nun leider, war aber bisher das erste mal, weswegen es auch ein klitzekleines Bisschen Spaß gemacht hat. Nun aber noch nachfolgend ein paar weitere Impressionen der Cross-Country Flüge:

Abendlandung in Glendale

 

Marana Regional, endlich mal was anderes außer Buckeye und Mobile.

 

Ein fantastischer Sonnenuntergang. Es lebe die Spätschicht!

 

Über den Wolken. In der Ferne sind sogar Schneebedeckte Bergspitzen zu erkennen.

 

Neben der Cross Country Fliegerei und der Airwork gab es Anfangs auch einige Solo Stunden, bei denen ich ganz alleine im Umkreis von 50 km um Goodyear herumflog. Definitiv ein einprägsames Erlebnis dass aber auch bald zur Routine geworden ist. Ich will nicht leugnen, dass mir diese Missions mit am Meisten Spaß gemacht haben, denn trotz der Verantwortung die ein solcher Flug mit sich bringt, es sind eben keine wachsamen Augen zusätzlich mit an Bord, die die ganze Zeit bei einem auf Fehlersuche sind. Das hat - wie sonst ja eigentlich auch alles- eben alles seine Vor- und Hinterteile.

 

Frustration is not only a mental thing…

 

Oktober 2007

 

Es ist wohl Tradition, dass die Kurse die die ATCA nach dem Ende der praktischen Ausbildung wieder verlassen, sich auf irgend eine Art ein Denkmal bauen und dies hier lassen. Die Palette reicht von Fotos mit den Unterschriften der Kursmitglieder über gefüllte Kotztüten die von der Decke hängen bis hin zu einem Baseball Schläger mit der Aufschrift: „Frustration is not only a mental thing“. Auch wenn ich mir langsam etwas doof vorkomme, und vielleicht auch deswegen schon lange keinen Eintrag hier gemacht habe, eigentlich will ich nicht jedes Mal wieder in die gleiche Kerbe hauen. ..

Die letzen Wochen brachten einige Besonderheiten, so hatte ich nun auch endlich meinen Checkflug, welcher zwar gefühlt weit unter dem lag was ich in einer normalen Flugstunde an Leistung abgegeben hatte, aber es schien als ob mich da mein Gefühl betrogen hatte, denn mein Checkpilot war zufrieden. -> Bestanden

Leider wurde nach dem Checkflug das Wetter für ein paar Tage zu windig um fliegen zu dürfen, weswegen ich nun erst vor Kurzem zu meinen beiden ersten Soloflügen abheben durfte.  Noch mit Fluglehrer am Boden, der einem noch notfalls per Funk zur Seite gestanden wäre, aber wenn nichts dazwischen kommt werde ich noch diese Woche dann zum ersten „richtigen“ Soloflug, nämlich von Goodyear zu einem Trainingsflughafen und zurück ganz alleine abheben. Vielleicht erwartet der eine oder andere jetzt etwas spektakuläreres was es von einem Alleinflug zu erzählen gibt, aber da man während des Fluges eh auf das Fliegen konzentriert ist, denkt man nicht sonderlich viel darüber nach ob man nun allein ist oder nicht. Abschließend jetzt noch ein paar Bilder von den ersten Soloflügen:

 

Meine Wenigkeit auf dem ersten Alleinflug

 

Felix auf dem Weg zur Startbahn

 

...und auf dem Weg nach oben

 

Back to Business

 

Oktober 2008

 

Schau einer an, es hat sich was getan. Nach längerer Krankheit ist unser Fluglehrer wieder hergestellt und wenn uns jetzt weder Wetter noch die Tücken der Technik einen Strich durch die Rechnung machen, dann wird jetzt endlich wieder verstärkt geflogen. Die ersten aus unserem Kurs haben inzwischen schon ihren ersten Checkflug hinter sich und sind nun dabei zum ersten mal Solo zu fliegen. Unsere Gruppe hinkt ja leider aus genannten Gründen hinterher, aber es scheint immerhin wieder etwas Bewegung rein gekommen zu sein. Eigentlich haben wir schon fast alles gelernt was wir für unseren Check brauchen, jetzt kommen noch einige Kleinigkeiten dazu und es wird eben alles noch mal wiederholt und geübt. Ein beispielhafter Tag beginnt mit dem Briefing und den Flugvorbereitungen entweder um sechs Uhr morgens für die Frühschicht oder um eine doch viel angenehmere Zeit, nämlich um elf Uhr für die Spätschicht. Kurz wird dann über die Inhalte der Flugstunde gesprochen und dann geht es raus aufs Vorfeld um die Bonny startklar zu machen. Schließlich stößt dann als allerletzter, wenn das Vorfeld schon wie leergefegt aussieht, unser Fluglehrer nach Pepsi-Telefonier-Pause  hinzu und dann geht es, nach einem lauten „Cleaaaaaaaaaaaar Prrrrrrrrrrop!! Schrei auch schon los. Via Run-Up Area, in der der Motor getestet wird geht es auf die Runway und ab in die Luft. Meist fliegen wir zu einem benachbarten kleinen Flughafen, entweder Buckeye im Westen oder zum privaten Lufthansa-Flughafen Mobile im Süden. Dort werden dann fleißig Platzrunden gedreht und Landungen geübt.

Landetraining in Mobile

Wenn das zu langweilig wird , wird noch eben ein Glide-Approach ohne Motorleistung, ein simulierter Motorschaden in der Platzrunde oder ein ebenso spektakuläres Manöver, sog. "Slips" eingeschoben.  Die Airwork, also das Fliegen von den unterschiedlichsten Manövern wird dann irgendwo über der Wüste, in den ausgewiesenen Training-Areas geübt. Dazu gehören neben Langsamflug, Steilkurven auch sechs verschieden Strömungsabrisse. Trainiert werden auch Notverfahren, zum Beispiel Engine Failure oder Engine Fire, bei denen der Fluglehrer einem die Leistung rauszieht und man dann im Segelflug auf ein Feld zuhält, dabei so genannte Memory Items abarbeitet und Abnormal Checklisten liest. Und nebenbei Fliegen und Funken sollte man natürlich dabei nicht vergessen. 

Irgendwo in den Training Areas

 

Stall Recovery

 

Airwork

 Einen Hauch von Kunstflug kommt dann auf, wenn "Recovery from unusual Attitudes", sprich das herauskommen aus ungewöhnlichen Fluglagen geübt wird. Der Name sagt dabei eigentlich schon alles und hierbei kommt durchaus das Spielkind in unserem Fluglehrer heraus, was vor allem dem Magen des Schülers, der hinten drin sitzt und zuguckt, mitunter nicht allzu gut bekommt. Nach momentan einer Stunde und vierzig Minuten geht es dann zurück, entweder nach Goodyear oder zu einem anderen Flughafen auf dem dann der gefolterte Schüler vom Rücksitz weiterfliegt und man selbst, durchgeschwitzt und platt sich hinten drin ausbreitet um die nächsten 1:40 als Zuschauer zu genießen.

Midfield Crossing in Goodyear, unsere Unterkünfte und der Campus sind links der beiden "Seen"

 

Anflug auf unsere "Heimat" Goodyear

 

Wüstenluft

 

September 2007

 

So, nun endlich ein paar Eindrücke aus dem Paradies. Oder dem vermeintlichen Paradies. Oder um es noch allgemeiner zu halten: Eindrücke aus  den USA. So stimmts. Tja warum dieses hin und her? Sicher, es ist toll hier. Ich hatte Glück mit dem Fluglehrer, es ist wirklich lustig mit ihm, und ich habe auch den Eindruck dass er Ahnung hat von dem was er tut und dass er mir sicherlich einiges beibringen kann.

Das "Ausbildungsgerät"

 

Sandsturm

 

Morgenschicht

Das fliegen selbst ist aber hart. Jede Mission die ich fliege ist um Welten anspruchsvoller als die vorhergegangene. Das bedeutet darum auch immer viel vor- und Nachbearbeitung um am Ball zu bleiben. Es ist schon alles ziemlich komplex, vor allem das Arbeitsvolumen zu organisieren um etwa nicht mitten in der Platzrunde zu merken, dass man die Hälfte vergessen hat, denn das wirkt sich definitiv nicht positiv auf einen sauberen 3°-Anflug aus. Leider merkt man aber oft dass die Schule hier wirklich auf Maximum läuft. Viel zu häufig schaut man zehn Minuten vor Briefingbeginn nochmal eben in den Online-Dienstplan um zu merken, dass man gecancelled wurde. Die Gründe sind vielseitig, neben einem kranken Fluglehrer, kann das Wetter zu heiß, zu schlecht oder zu windig sein.
 

Gewitter

Die betagten Flugzeuge haben halt auch alle ihre eigenen Krankheiten, und oftmals steht dann eben kein Ersatzflugzeug zur Verfügung. Das alles ist dann eben besonders ärgerlich, wenn man sich für den Flug fit gemacht hat, alles vorbereitet hat und bereit für mindestens 1:40 volle Konzentration ist. Dann ist danach eben gammeln angesagt, und man muss den angebissenen Tag im Pool oder mit sonstigen möglichst anspruchslosen Tätigkeiten totschlagen. Der Pool ist toll, wirklich, aber eben absolut nicht ausfüllend wenn das Flugtraining einen nicht vorher so richtig schön platt gemacht hat. Wie auch immer, damit muss man sich eben abfinden und sich dadurch versuchen nicht aus dem Trainingsablauf bringen zu lassen. Naja, durch Umsturkturierungen der gesamten Ausbildung vor allem bei Kursen die nach uns angefangen haben, soll sich die Situation ab Herbst entspannen, und wir werden dann viel öfter fliegen. Wahrscheinlich folgt dann an dieser Stelle ein Beschwerdebrief über den Mangel an Freizeit.

Golden Bonny

 

Sonnenuntergang im Prop


Des weiteren kann ich nun eindeutig sagen, dass USA nicht Deutschland ist. Das ist ja auch schon mal eine aufschlussreiche Erkenntnis, die wohl keiner in dieser plumpen Ausdrucksweise nachvollziehen kann.  Außer Wüstenklima und den wüsten Klimaanlagen überall, sind da doch noch einige kleine, Verzeihung super-sized, Unterschiede mehr oder weniger offensichtlich zu finden. Es ist schon alles generell etwas chaotischer und spontaner hier, die Menschen sind absolut hilfsbereit auf der einen Seite, haben aber auch keine Hemmungen einen grundlos und überfall-artig ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Es lebe die klischeemäßige, deutsche Reserviertheit. Der Rest ist eigentlich allgemein bekannt, weswegen ich mich darauf beschränken werde folgende Vorurteile zu bestätigen: Die Autos sind im großen und ganzen dicker, der Sprit ist wirklich billiger, die Müllproduktion enorm, die Fast-Food Auswahl zigmal größer, die Wüste weit und riesig, die Kalorien kommen hier nur in größeren Gruppen vor,  die Kakteen sind riesig, Dr.Pepper schmeckt seit dem letzten mal auch nicht besser und und und. Aber natürlich keine Regel ohne Auswahl versteht sich ja. Den eigentlich hätte ich auch folgendes sagen können: USA ist bunt, schillernd, abwechslungsreich, faszinierend und ein ganz klein wenig verrückt.

Unterkünfte
 

Sunset-arrival

 

Beweisfoto, ich bin wirklich da

 

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