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Bemerkung:
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Ein Schein zum Glück |
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Juli
2008 |
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Schließlich war es soweit und die Prüfungstage für den ATPL, die
Lizenz zum Fliegen eines Verkehrsflugzeuges, standen vor
der Tür. Dabei reisten wir in kleinen Gruppen zum
Luftfahrtbundesamt nach Braunschweig und wurden in
unterschiedliche Hotels einquartiert. Die nicht mehr zu
verheimlichende Nervosität überwand jeder dann auf seine eigene
Art, eine rückblickend optimale Möglichkeit bietet
Beispielsweise die Suche nach einer Bank und einem US
amerikanischen Gourmetrestaurant zur Einnahme eines letzten
Burgers vor dem anstehenden Stressmarathon. Früh morgens am
nächsten Tag versammelten sich dann circa vierzig Leute in einem
geräumigen Prüfungssaal beim Luftfahrtbundesamt. Jeder von uns
bezog eine Arbeitsstation jede mit einem eigenen Computer
ausgestattet. Im Gegensatz zu den Inhalten die beim LBA
gefordert wurden, war der Ablauf der Prüfung doch sehr einfach
und angenehm. In den kommenden drei Tagen hatten wir täglich
acht Stunden Zeit, um selbständig und nach eigenem Gusto die
einzelnen Prüfungen zu bearbeiten. Ich setzte dabei auf meine
Anfangsfrische und klickte mich zuerst durch meine Angstfächer
durch, die sich allerdings hinterher als gar nicht so wild
herausstellten. Zwölf Fächer mussten Bearbeitet werden, die
Bandbreite reichte dabei von Technikfächern über Navigation und
Instumentenkunde, bis hin zu Luftrecht und Psychologie. Die
Fliegerei vereint eben alle diese Bereiche und nichts
funktioniert ohne das Andere. Selbstverständlich waren die drei
Tage sehr anstrengend, und die den Testtagen vorangehenden
Nächte waren kurz und unruhig. Aber schon fünf Tage später dann
fand ein Schreiben des LBAs den Weg zu mir und mit einem
einzigen Satz viel die Last der letzten Monate von mir ab: "Sie
haben alle Prüfungsabschnitte erfolgreich abgelegt". Die Freude
war riesengroß und der anschließende Hinweis, dass gegen das
Schreiben noch binnen eines Monats Widerspruch eingelegt werden
kann, klingt natürlich in diesem positiven Zusammenhang wie
purer Hohn. Denn die Prüfungen beim liebevoll
"Lappen-Beschaffungs-Amt" genannten LBA in Braunschweig waren
letztendlich zwar nicht so schlimm wie befürchtet, aber auch
wiederum nicht so schön um sie freiwillig zu wiederholen. Kaum
zu glauben dass ich nun offiziell nach dem anstehenden anhorten
von ein paar hundert Flugstunden offiziell den höchstwertigen
"Führerschein für Flugzeuge" in der Tasche haben werde. Manchmal
können eben auch so einfache Sachen wie ein Stück Papier
glücklich machen.
Nach den
drei Tagen Theorietests in Braunschweig ging es dann schließlich mal
wieder in "mein" Element, nämlich in die Luft. Als Flugschüler
haben wir zwar glücklicherweise immer mal wieder durch
hartnäckiges Anwenden von "Vitamin B" die Gelegenheit auf einem
Linienflug ins Cockpit zu gelangen und von dort aus den Flug zu
verfolgen. Das gibt natürlich jedes mal einen riesigen Schub
Motivation und bringt natürlich auch jede Menge Spaß. Aber
meistens bekommt man natürlich in solchen Fällen von all den
Flugvor- und Nachbereitungen nicht allzu viel mit, weswegen wir
auch von Zeit zu Zeit extra für uns organisierte Streckenerfahrungsflüge
machen dürfen, bei denen wir die Crew einen Arbeitstag lang
begleiten. Für mich sollte es -planmäßig- mit einem A321 von
Frankfurt nach Rom und zurück gehen, letztendlich kam aber auch
noch ein Flug nach Leipzig und zurück hinzu. Schließlich
flog ich früh morgens von Bremen nach Frankfurt und traf dann
"meine" Crew im Flight Operations Center. Natürlich wurde ich
auch gleich eingespannt und wirkte an den beiden Flügen sogar
ein klein wenig selbst mit. Für irgendwas muss die Theorie ja
schließlich auch gut sein, oder?
Innsbruck
Über den Alpen bei
"Kaiserwetter"
Und rauf aufs ILS in Rom,
mit der Mittelmeerküste im Hintergrund
Anflug auf Rom Fiumicino
Theoretisch habe ich nun alles
theoretisches Wissen erlernt, wie man -theoretisch jedes größere
Flugzeug- theoretisch bedient. Kein schlechtes Gefühl
eigentlich. Aber natürlich muss die Überschrift dieses Beitrags
ein wenig relativiert werden, denn die Lernerei wird sobald
nicht aufhören. Für Nachschub wurde schon gesorgt indem uns
sämtliche Unterlagen zum nächsten Trainingsflugzeug, der
Cheyenne, ausgehändigt wurden. Und die sind wieder einmal so
dick, mit denen könnte man wahrlich eine Vielzahl von schief
stehenden Tischen begradigen.
Abschließend zur Theoriephase
standen natürlich auch wieder Interne Tests über den nach
Phoenix gelernten Stoff an, die allesamt gut verliefen.
Natürlich standen diese Tests im Schatten der nahenden
ATPL-Prüfung beim Luftfahrtbundesamt, aber nachdem auch dieser
Stein aus dem Weg geräumt ist, bleibt nun noch ein wenig Zeit
sich selbst den finalen Feinschliff in Sachen Theorie zu
verpassen.
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A day in the life of... |
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Mai
2008 |
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Mein Momentaner Tagesablauf lässt
sich sehr detailliert und mit unschlagbarer Genauigkeit durch
folgende drei Tätigkeiten beschreiben: Lernen, Schlafen, Essen.
Die Häufigkeit des Auftretens variiert dabei von Wochentag zu
Wochentag, müsste ich aber diese Tätigkeiten nach der Menge an
Glückshormonen die diese bei mir auslösen sortieren, so wäre die
Hitliste egal ob Mittwoch oder Sonntag stets eintönig und
gleich: Schlafen, Essen und sehr viel später dann das Lernen.
Aber nur noch etwa einen Monat bis zur Lizenzprüfung beim
Luftfahrtbundesamt, von der ich hoffentlich nicht ohne meinen
theoretischen ATPL zurückkommen werde. Bis dahin werde ich mich
weiterhin durch riesige Berge Papier und zigtausende Fragen
wühlen, ich werde überdurchschnittlich viele Kraftausdrücke über
schlecht formulierte oder uralte Systeme betreffende Fragen um
mich werfen, mehrere Hektar Wald in Form von Papier
verschleißen, meine Stromrechnung wird sich durch
Computer-Dauerbetrieb explosionsartig vervielfachen und ich
werde bei all dem hoffentlich nicht vergessen, was am Ende für
eine Belohung auf mich wartet.
Natürlich lässt sich bei so
viel grauer Theorie nicht allzu viel Bildmaterial für den Blog
zusammensammeln, aber auch wenn das momentan in meinen Ohren ein
wenig ironisch klingt, bestehen Flugzeuge ja nicht nur aus auf
Papier gezeichneten Strichen in irgendwelchen Handbüchern. So
verbrachte ich nach meiner letzten Medical- Untersuchung, die
zum Glück keine bösartigen Überraschungen zu Tage brachte,
endlich mal wieder ein paar Stunden in der Einflugschneise des
Frankfurter Flughafens. Darum hier, auch zu meiner persönlichen
Motivation, mal ein paar dort entstandenen Bilder. Leider ohne
Sound und Kerosinduftnote.
Besucher der
Lufthansa Werft, A330 der italienischen Livingston
Vielleicht
in wenigen Jahren schon "mein" Flugzeugmuster
Die älteste
Version des A300, noch mit Dreimanncockpit
Zum Ersten
mal für mich, und bald wieder Geschichte in FRA. TAM mit A345
Ziemlich
früh und in traumhaften Abendlicht hob diese 735 ab
S7,
grasfroschgrüner Russe mit A320
So, wer sie alle sehen möchte:
hier klicken.
Ansonsten der nächste Eintrag dann mit mehr Neuigkeiten und
weniger Lernstress.
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Was darf's denn heute sein? Oder
vor dem Vergnügen steht die Arbeit |
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April
2008 |
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Neben der ganzen Lernerei
in den letzten Wochen stand vor kurzem schon eine wichtige
Entscheidung für die zukünftige Karriere an. Wir durften Wünsche
äußern, auf welches Flugzeugmuster wir später einmal geschult
werden, sobald wir die Ausbildung abgeschlossen haben. Wenn die
Planung es zulässt werden unsere Flugzeug Wünsche erfüllt
werden, natürlich ohne Garantie. Aber trotzdem toll, den meisten
werden die Piloten eben nicht gefragt, was sie am liebsten
fliegen möchten, und mal ehrlich, so unentschlossen wie kurz vor
dieser Entscheidung war ich noch nie. Generell gibt es drei
verschiedene Flugzeugtypen zur Auswahl, alle mit Vor- und
Nachteilen. Letztendlich habe ich mich aber für die A320 Familie
bei der Lufthansa Passage beworben.
Der A320 kommt gleich in
drei Versionen daher. Der A319 mit 132 Sitzplätzen, A320 mit 156
Sitzplätzen und der größte der Familie bietet Platz für bis zu
190 Fluggäste. Die A320 Familie macht bei Lufthansa momentan gut
die Hälfte der Kurzstreckenflotte aus, aber Dank einer großen
Anzahl an Neubestellungen wird der Anteil in den nächsten Jahren
stark anwachsen. Und damit -so zumindest meine Hoffnung- wird
auch das momentan eh schon riesige Streckennetz dieser Flugzeuge
immer weiter ausgebaut werden. Dabei reicht die Palette von
allen wichtigen europäischen Städten bis zu Flughäfen in
Nordafrika und Russland. Generell fliegt der A320 und seine
Geschwister viel in Länder im nahen Osten, was sicherlich eine
besonders interessante Erfahrung sein wird.
Mein Arbeitsplatz, das
Cockpit stammt zwar im Grunddesign auch schon von Mitte der 80er
Jahre, aber im Vergleich zu 737 oder A300 wirken die Bildschirme
natürlich als ob sie aus der Zukunft stammen. Aber in den
neugefertigten A320 werden auch die alten Fernseh-Röhren
durch noch schickere Flachbildschirme ersetzt sein.
Markenzeichen der aktuellen Airbusse ist das Fly by Wire, sprich
unsereins wird da sitzen und quasi ein Computerspiel spielen.
Soll heißen: Die Steuereingabe die vom Piloten via Sidestick
gegeben wird, wird in ein Computer eingespeißt, der diese dann
optimiert und als Steuersignal an die Ruder weitergibt. Die
meisten Airbus Kritiker setzten hier an, denn eigentlich Steuert
der Pilot nicht mehr das Flugzeug, sondern er steuert einen
Computer, der wiederum das Flugzeug bewegt. Generell ist
Automatisieren das Stichwort im A320, mit Bonny Fliegen hat das
am wenigsten was zu tun. Insofern werde ich also in Kürze von
Pilot auf Systemmanager umschulen.
Der A319,
kleinste
Spross in der A320 Familie
Mit Bildschirm
und Sidestick durch die Lüfte...
Eine weitere Möglichkeit wäre der A300, mit der älteste
Airbusentwurf. Deswegen fliegt dieses Flugzeug noch mit
klassischem Steuerhorn, Seilzügen und Uhreninstrumenten.
Konzipiert war der A300 als Trans-Atlantik Langstreckenflugzeug.
Bei Lufthansa wird er aber hauptsächlich im Kurzstreckenbereich
eingesetzt, deswegen bietet er mit dann nur gering gefüllten
Tanks eine enorme Leistung. Für die Sportwagen-Fahrer unter uns
:) Und dann ist er noch so groß für ein Kurzstreckenflugzeug,
Platz für bis zu 280 Passagiere und ein so hohes Startgewicht,
was den im Funkverkehrs-Anhang "Heavy" notwendig macht. Und das
als Einstiegsmuster ist schon fast überdimensional groß...
Ziemlich groß für
den Anfang: der A300
Mischung aus
alt und neu, das Cockpit des A300
Als dritte und letzte Möglichkeit bei der Lufthansa Passage ist
die Boeing 737. Erfolgreichster Jet Boeings ist er generell
etwas kleiner als die A320 Serie. Steuerhorn und
Uhreninstrumente dominieren das Cockpit. Momentan sind noch
viele Bobbys im Einsatz, nach und nach werden die wohl in den
nächsten Jahren ausgemustert werden, denn vom Urdesign her ist
der Bobby schon weit über 30 Jahre alt und somit nicht mehr auf
dem neuesten Stand der Technik. Aber genau da läge auch der
Reiz, denn mit ziemlich großer Sicherheit wird man nie wieder
die Chance bekommen ein solches Flugzeug fliegen zu können. Aber
man kann das natürlich auch so sehen, dass man hier in ein
aussterbenden Dinosaurier investiert. Man kann es eben sehen wie
man will, vielleicht lässt sich jetzt verstehen warum ich mich
mit der Entscheidung so schwer getan habe...
Altes,
erfolgreiches Arbeitstier: Boeing 737
Und von
innen noch ein schöner "Uhrenladen"
Der Vollständigkeit halber soll hier abschließend noch die
vierte und letzte Option genannt werden. "Mein" Flugzeug, den
A320 bei der Germanwings zu fliegen. Germanwings ist allerdings
schon fast ein eigenständiger Konzern, und diese "Ferne" zum
Mutterkonzern brächte einige Nachteile mit sich. Darum war dies
für die wenigsten von uns eine Option.
A319 von Germanwings
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