|
Bemerkung:
Die aktuellsten Einträge erscheinen oben. Um das ganze Kapitel
chronologisch durchzulesen, bitte einfach von unten nach oben
scrollen.
|
Neulich
in ... Venedig |
|
|
August
2010
|
|
...hatte ich die Chance
ein paar Fotos zu schießen. Venedig an sich ist ja schon eine
tolle Stadt, der Anflug mit dem Ausblick auf die Lagune
ist dafür ein entsprechend schöner Vorgeschmack. Das Wetter und
der Sonnenstand gaben ihr übriges für ein paar gelungene Fotos:
So sieht der Anflug auf die
Landebahn 04R in Venedig aus. Der Flughafen ist links in der
Entfernung zu sehen. Rechts die Altstadt von Venedig. Zum
greifen Nahe.
Die Stadt mit dem
Kreuzfahrthafen und dem Canale Grande ist klar zu sehen.
Hier ist der Flughafen
genau zu erkennen. Ebenso kann man die "abgesteckte"
Wasserstraße erkennen, auf der die Taxiboote zwischen Flughafen
und Stadt pendeln.
So viel für den Moment,
jetzt heißt es erstmal für zwei Wochen Urlaub machen. Bis bald
an dieser Stelle.
|
Der Blick
aus dem Büro - Teil II |
|
|
Juli
2010
|
|
Abendliches Lichtspiel
Alltag. Hier Überflug von
Thessaloniki
Gewitter über den Abruzzen
auf dem Weg nach Neapel in "Echt"...
... und als Darstellung auf
dem Navigations Display. Alltag im Sommer und immer wieder Grund
für kleine und große Umwege, denn ein Durchflug durch diese
Zellen ist sehr gefährlich, neben den Blitzen die im schlimmsten
Falle Flugzeugsysteme ausfallen lassen können, gibt es dort
meist auch Hagel welcher das Flugzeug beschädigen kann.
Kurze Pause in Palermo,
einem meiner Lieblingsflugplätze, da er sehr malerisch zu Füßen
einer 1300m hohen senkrechten Felswand liegt. Diese befindet
sich auf dem Bild oben gesehen direkt hinter dem Flugzeug.
|
Der Blick
aus dem Büro |
|
|
Juli
2010 |
|
Inzwischen fliege ich
schon etwas mehr als ein viertel Jahr, habe meine
Ausbildungszeit gut überstanden und so langsam ist der Alltag
eingekehrt. Vieles, was früher aufregend und exklusiv erschien
ist inzwischen zur Routine verkommen. Dennoch ragen bei allem
Stress regelmäßig gewisse Flugimpressionen aus dem
"Einheitsbrei" heraus, weswegen meine Kamera auf jedem Flug mit
von der Partie ist. Diese Eindrücke der letzten Monate möchte
ich nun präsentieren:
In ca. 3.300 (statt
10.000) Metern von
Palma nach Düsseldorf. Dieser "Tiefflug" kam zustande, da ein
Service-Fahrzeug die Tür dieses Flugzeuges beim Beladen
beschädigte und die Druckkabine somit nicht mehr dicht war.
Dabei handelte es sich übrigens um einen Überführungsflug ohne
Passagiere an Bord. Ein Airbus in dieser Höhe sorgte sowohl bei
den Fluglotsen als auch wahrscheinlich bei den Bewohnern am
Boden für Verwunderung.
Der Blick ins Büro
Navigations Display (links)
und sog. Primary Flight Display mit Horizont, Höhen- und
Geschwindigkeitsanzeige
Copilotenperspektive, wie
sie typisch ist. Oben blau, unten weiß vor Wolken
Pause auf dem Flughafen
Sylt, mit dem etwas anderen kleinen Terminal
Kurz vor der
Alpenüberquerung von Südfrankreich Richtung Schweiz, an einem
besonders klaren Tag
Alpenmassiv nahe des Mont
Blanc (unten links)
Kurze Pause auf dem Air
Berlin Drehkreuz Palma de Mallorca
Flügelspitze
Der Star des Tages in
Berlin, der Lufthansa A380 auf Werbetour durch Deutschland
zieht die Besucher magisch an.
Einen Hauch Exotik gabs
beim Layover in Moskau
Frühlingshafte Temperaturen
dagegen im wunderschönen Sevillia
Berggipfel der Alpen
Kaffeepause mit Aussicht,
keine Sorge, der Becher war zum Zeitpunkt des Bildes natürlich
schon leer ;-)
Ein paar Detailaufnahmen,
zum Ersten das Panel des Autopiloten
...die Uhr für weiterhin
pünktliche Flüge
die Bremsdruckanzeige
...das Backup Primary
Flight Display
und die Schalter zum
Umschalten der Anzeigen auf den Displays
Sonnenuntergang über der
Ostsee. Kurz nach dem längsten Tag im Jahr dauert dieses
wunderschöne Naturschauspiel mehrere Stunden.
Überflug der Insel Skiathos,
Griechenland mit dem anspruchsvollen Flughafen links auf der
Insel
Hellas Athen! Die Stadt
selbst ist vom hügeligen Terrain verdeckt, der internationale
Flughafen dagegen ist in der Bildmitte zu sehen.
Nach der Überquerung des
Mittelmeers heißt es wieder Land in Sicht in Ägypten
Gefährliche Schönheit, die
Sahara. Beeindruckend zu wissen, das dieser schon so unendlich
wirkende Ausschnitt nur einen minimalen Bruchteil der
Gesamtgröße der Wüste ausmacht.
Der Fruchtbare Gürtel in
der Wüste: der Nil
Für alle Interessierten
gibt's unter folgendem Link übrigens noch eine kleine Sammlung der Flughäfen
die ich anfliegen durfte. Ein kleiner und einfacher Überblick
somit, über mein ganz persönliches Air Berlin Streckennetz.
Bitte
hier klicken. (Rote Pins = Air Berlin, Blaue Pins =
Lufthansa, Türkisfarbene Pins = Cheyenne, Gelbe Pins = Bonanza)
Die Luftfahrt besteht
praktisch gesehen nicht aus Flugzeugen, Besatzung und
Passagieren sondern eigentlich ausschließlich aus Abkürzungen.
Wer etwas anderes behauptet - lügt. ACM meint schlichtweg
"Additional Crew Member" oder auf deutsch eben "Zusätzliches
Crew Mitglied". Dieses (oder Dieser) ACM war ich und insgesamt
vierzehn Flüge als ACM waren vorgeschrieben bevor ich selbst als
aktives Crewmitglied die Kontrolle über den Airbus übernehmen
durfte. Folglich saß ich zunächst lediglich im Cockpit auf dem
Beobachtersitz und schaute meinen Kollegen bei der Arbeit zu,
aber durfte mich auch in sehr vielen Bereichen schon selbst
einbringen und mithelfen und neue Dinge lernen, die im Simulator
nie zum Tragen kamen. Diesen steht ganz vorneweg leider so etwas
trockenes wie die Buchführung und Dokumentation eines jeden
Fluges, sowie Spritbestellung und ähnliches. Aber was muss das
muss und zum Glück ist Fliegen unterm Strich ja doch noch ein
bisschen mehr.
Am ersten Tag der ACM
Flüge ging es für mich zunächst früh morgens von Stuttgart nach
Hamburg und zurück. Ein absoluter Routineflug, sehr kurz und
recht unspektakulär. Interessant wurde es dann auf den nächsten
beiden Flügen an diesem Tag, denn so ging es von Stuttgart nach
Catania auf Sizilien und zurück. Bei wunderschönem Wetter war
dann Sizilien schon von weitem zu erkennen und der majestätische
Ätna wies mit einer kleinen Rauchfahne den eindeutigen Weg.
Nicht ungefährlich übrigens diese vulkanische Aktivität, nicht
nur für die Bewohner der Insel welche unmittelbar zu Füßen
dieses Berges leben, sondern ebenso für die Luftfahrt. Der
aufsteigende Rauch und die enthaltenen Schmutzpartikel können im
schlimmsten Falle zu Triebwerksausfällen oder Kurzschlüssen
führen, wenn sie in die elektrischen Systeme des Flugzeugs
gelangen. Deswegen gehört zur Flugvorbereitung eines Fluges
welcher nahe an aktiven Vulkanen vorbei führt, die Überprüfung
so genannter "Ashtams", eine Wortkreation welche sich aus Ash
(=Asche) und NOTAM (Notice to Airmen = Infos für Luftfahrer)
zusammensetzt. An dieser stelle möchte ich nochmals aus
gegebenem Anlass auf den allerersten Satz dieses Beitrages
hinweisen...
Das aktuelle Ashtam warnte jedoch nur vor einer sehr kleinen
Aschewolke, welche sich vom Ätna Richtung Osten ausbreitete. Da
wir von Norden kamen und den Ätna auf dessen Westseite umflogen
also kein Problem. Bei klarstem Wetter Überflogen wir also
Sizilien und der mächtige Vulkan lag stets zu unserer Linken. In
Richtung Meer flogen wir dann den an der Küste gelegenen
Flughafen von Catania an, was wirklich ein beeindruckender
Sightseeing Flug war.
Anflug auf Catania,
Sizilien
Unsere Parkposition am
Boden bot einen ebenso malerischen Ausblick. Wie im Bild unten
zu sehen ist, blickten wir bei der Flugvorbereitung geradewegs
über die Stadt Catania auf den schneebedeckten Ätna im
Hintergrund.
Kurzer Bodenstopp auf dem
Flughafen Catania, mit dem Ätna-Blick
Wenige Stunden später
landeten wir dann wieder in Stuttgart und ein eindrücklicher
aber doch sehr langer Arbeitstag mit vier Flügen ging zu Ende.
Doch der Appetit auf mehr war natürlich geweckt und schon am
nächsten Morgen ging es weiter.
Wie der Zufall es wollte ging es mit exakt dem selben Flugzeug,
einem A319, wiederum auf den selben Flug von Stuttgart nach
Hamburg und zurück. Zwar war es erst mein zweiter Tag bei Air
Berlin, doch auf dieser Strecke hatte ich schon eine -wenn auch
kleine- Ölspur hinterlassen. Business as usual.
Wie am Vortag folgte aber nach der Landung in Stuttgart am
frühen Vormittag ein weiteres kleines Highlight. Auf den Plan
stand nun ein Flug nach Olbia auf Sardinien und zurück. Es
schien fast so als ob ich die italienischen Inseln anziehen
würde. Aber auch hier führte uns die Strecke über die wolkenlos
unter uns liegenden Alpen und bescherten uns wiederum einen
kleinen Rundflug über Sardinien, bevor wir in Olbia vom Meer her
kommend landeten. Für mich als Beobachter wahrlich ein
Augenschmaus, für meine beiden fliegenden Kollegen doch etwas
stressig, machten doch einige Verständigungsschwierigkeiten mit
den italienischen Fluglotsen den Anflug etwas "sportlich" aber
natürlich dennoch sicher und irgendwie abenteuerlich.
Im Folgenden nun ein Bild des Flughafens, die Landebahn liegt
genau voraus, und rechts am Ufer der Bucht die schöne Stadt
Olbia. Schade, dass wir nicht aussteigen konnten, denn nach nur
45 Minuten am Boden ging es dann auch schon wieder zurück in die
Heimat und ein weiterer Arbeitstag ging zu Ende.
Anflug auf Olbia,
Sardinien
An den nächtens beiden
Tagen war dann ein Umlauf mit einer Übernachtung in Zürich
geplant. So starteten wir wiederum früh morgens als einer der
allerersten Flüge von Stuttgart in Richtung Alicante. Über
Frankreich konnten wir, da wir in Richtung Westen flogen, dann
einen ausgedehnten und langen Sonnenaufgang genießen und
studierten dabei bei einer Tasse Morgenkaffee die
Flughafeninformationen von Alicante, da dort sehr viele
Bauarbeiten statt finden und es somit einiges zu beachten gilt.
Seien es Kräne, die in den Anflugsektor hineinragen oder
geschlossene Parkpositionen oder Rollwege. Problematisch ist,
dass diese Informationen auch noch in der heutigen Zeit in
codierter Form übermittelt werden, was noch aus den Zeiten
stammte, als Informationsübermittlung kompliziert und teuer war
und Texte dementsprechend kurz gehalten werden mussten. Dass
dies mit unter aber für sehr viel Leseschwierigkeiten auch bei
altgedienten Piloten führt, ist ein sicherlich nicht ganz
unkritischer Punkt. Da wir aber mit über zweieinhalb Stunden
Flugzeit in Richtung Alicante keinen Stress hatten, lösten wir
in Teamarbeit diese frühmorgendlichen Rate- und
Denksportaufgaben.
Nach dem etwas längeren Flug folgte nun ein kurzer Hopp von
Alicante nach Palma de Mallorca, einem der wichtigsten
Drehkreuze für Air Berlin, welche auf diesem Flughafen mit aller
Deutlichkeit Platzhirsch Nummer eins ist. Interessant also für
die spanischen Fluggäste quasi, flogen sie also mit einem in
Deutschland zugelassenen Flugzeug und einer deutschen Besatzung
auf einem innerspanischen Flug. Das Open Skies Abkommen und die
Europäische Union machen es eben möglich.
Zum Abschluss ging es dann als letztes an diesem Tag von Palma
zurück nach Zürich. Dort ging es dann in den wohl verdienten
Feierabend, welcher jeder nach eigenem Geschmack verbrachte.
Natürlich war die Unterkunft in einem Flughafenhotel organisiert
und Übernachtungen in Hotels sind ja leider Alltag im Leben
eines Piloten.
Der nächste Tag war auch
schon der letzte Tag an dem ich nur als Zuschauer im Cockpit mit
flog. Zu einer angenehmen Zeit gegen Mittag trafen wir uns am
Hoteleingang und wurden mit dem Shuttlebus zum Operations Center
am Flughafen Zürich gefahren. Es folgte die routinemäßige
Sicherheitskontrolle und die Flugvorbereitung.
Kurze Zeit später verließen wir das wolkige Zürich und es ging
ähnlich wie am Vortage zunächst nach Palma de Mallorca und von
dort weiter nach Malaga.
Fliegt man Malaga vom Landesinneren kommend her an, zu was uns
der herrschende Wind zwang, befindet man sich für ungefähr 40km
stetig in nur geringer Höhe über einer Gebirgskette, welche in
Richtung Landebahn quasi parallel zum sinkenden Anflugweg
abfällt. Eine recht eindrückliche optische Täuschung, denn
schaut man links und rechts aus dem Fenster befindet man sich
für lange Zeit immer in der selben Höhe über den Dörfern und
Windrädern, schaut man nach vorne ergibt sich das typische und
eingebrannte Bild eines Anflugwinkles von drei Grad. Jeder
Flughafen hat eben so seine kleinen Besonderheiten welche bei
Unkenntnis und schlechterem Wetter als wir es hatten durchaus zu
beachten sind.
Inzwischen war die Sonne schon fast wieder untergegangen, als
wir uns dann auf den Heimweg von Malaga in Richtung Stuttgart
machten. Durch die tiefschwarze französische Nacht flogen wir
und landeten dann wenige Minuten bevor der Flughafen seine Tore
für diesen Tag schloss in der Heimat. Die insgesamt vierzehn
Flüge als ACM waren somit auch schon wieder Vergangenheit,
bescherten mir aber einige unvergessliche Eindrücke und brachten
durchaus auch einiges an Lerninhalten, denn auch wenn ich mit
diesem Bericht vielleicht ein anderes Bild erzeuge, Fliegen ist
eben nicht nur aus dem Fenster schauen und die Landschaft
genießen, sondern vor allem zwischen den Flügen am Boden doch
recht stressig und beinhaltet wie jeder Beruf auch so einiges an
Papierarbeit, welche man eben auch erstmal erlernen muss und
welche zum Fliegen genauso dazugehört wie schöne Aussichten,
interessante Erlebnisse, Essen, Langeweile, Kommunikation,
Voraussicht, Starts, Landungen und hoffentlich weitere spannende
Geschichten, wenn ich dann auf den nächsten Flügen selbst als
Copilot auf dem rechten Sitz im Airbus Platz nehmen werde.
Anflug auf Malaga,
Spanien
|
Angepasst, Ausgestattet und Arbeitswütig |
|
|
März 2010 |
|
Drei Worte mit dem selben
Anfangsbuchstaben sind das, und wie der Zufall es will, wird der
erste Buchstabe des Alphabets wie ein roter Faden durch diesen
Blogeintrag leiten. Schließlich ist das "A" der Anfang des
Alphabets und genau dieser Anfang steht jetzt unmittelbar bevor.
Der Anfang meiner Fliegerkarriere auf dem echten Flugzeug
welches, wer hätte das gedacht, ebenfalls ein "A" am Anfang
schmückt: dem A320.
Bei Air Aerlin
-Entschuldigung- Air Berlin fanden nun die letzten Wochen
unzählige Umschulungskurse statt, der Airline geht es gut und es
werden eine Vielzahl von
Mitarbeitern eingestellt. Alle von fremden Fluggesellschaften
kommenden, so auch ich, müssen dabei einen so genannten "conversion
course" durchlaufen, um auf die Standards der Air Berlin
gebracht zu werden. Für mich fand der erste Teil dieses Kurses
in den Simulatorhallen der Lufthansa Flight Training in Berlin
statt. Dieses riesige Trainingsgebäude beherbergt eine Vielzahl
von Full Flight Simulatoren, welche von unterschiedlichen
Airlines 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahre benutzt werden.
Wie die Besucher die regelmäßig auf meinem Blog vorbei schauen
sicher wissen, liegt mein letzter Flug auf einem Airbus schon
fast ein halbes Jahr zurück. Das war damals noch im
Landetraining zum erhalt der Lizenz gewesen. Deswegen freute ich
mich natürlich umso mehr, im Zuge dieses Conversion Courser
gleichweg eine gratis Auffrischung meiner Flugkünste erhalten zu
können. Auch wenn ich anfangs doch recht skeptisch war, wie
schnell man tatsächlich so etwas verlernt, so war ich doch
erleichtert, als ich nach ein wenig Übung im Simulator schon
bald wieder das Meiste sicher beherrschte. Es wäre nun wirklich
sehr ärgerlich gewesen, hätte ich die drei Monate im Sommer als
ich das Typerating machte, umsonst gelernt.
Doch natürlich sind
die Flugstunden im Full Flight Simulator nach wie vor extrem
teuer und so bekamen wir derer lediglich fünf Trainingseinheiten
zugeteilt. Recht wenig, doch begleitet wurde das von weiteren
Trainingseinheiten in einem so genannten "Fixed Base Trainer".
Dies ist eine -mehr oder weniger- detailgetreue Nachbildung
eines Airbus Cockpits, in der die grundlegenden Arbeitsabläufe
quasi "im trockenen", also ohne Bewegung des Simulators geübt
werden. Da Bilder mitunter deutlich mehr sagen als tausend
Worte, ist im Folgenden mal ein Bild dieses Geräts zu sehen.
Sehr interessant, aber mitunter etwas nervig dabei die Bedienung
der "Flugzeug-Instrumente" direkt auf dem Bildschirm per
Touch-Screen. Ich wage ja zu behaupten, dass sich früher oder
später eine ähnliche Technologie sicherlich auch in den echten
Flugzeugen durchsetzen wird...
Der so genannte "Fixed Base
Simulator" dient dem Üben von Arbeitsabläufen und -Handgriffen
Airbus Cockpit mal Anders
Am Ende dieses
Simulator-Lehrganges stand natürlich wie immer in der Fliegerei
ein Checkflug auf dem Programm. Vom Ablauf her war dieser wie
einer der jährlich stattfindenden Checkflüge, welche zum erhalt
der Lizenz absolviert werden müssen.
Es ging los mit einem "Engine
Failure"-Teil, hier wurden also Triebwerksausfälle bei allen
möglichen Geschwindigkeiten, am Boden und in der Luft
durchgespielt und die Reaktion der Crew darauf geprüft. Es
folgte ein so genanter "LOFT" Teil. LOFT bedeutet "Line
Orientated Flight Training", es wird also quasi ein fast
normaler Linienflug von A nach B abgeflogen. Doch Simulator wäre
nicht Simulator, wenn es nicht auch auf diesem Flug zu
Komplikationen kommen würde. Kleinere und größere technische
Probleme waren also auch hier unser ständiger Begleiter.
Abschließen folgt in jedem dieser Checks ein "Low Visibility"
Teil. Dies beinhalten Starts und Landungen bei minimaler
Sichtweite, was im Falle des Airbus ca. 125m für den Start und
lediglich 75m für die Landung bedeutet. Da in der Lizenz diese
Fähigkeiten der Crew unter solchen Wetterbedingungen fliegen zu
dürfen seperat vermerkt sind, muss eben auch dies regelmäßig
abgeprüft werden. In einem sehr lehrreichen und angenehmen
Checkflug dann bestätigten wir unser können und damit waren alle
Hürden genommen um bei Air Berlin mit dem Flugdienst anfangen zu
dürfen.
Einer der Simulatoren der
neuen Air Berlin Airbusse
Für alle neuen Copiloten
ohne Flugerfahrung und auch für altgediente als Auffrischung
mussten wir ein Woche später noch einen Theoriekurs besuchen.
Innerhalb einer Woche stand da ein doch sehr bunt gemischtes
Programm auf dem Plan:
Am Anfang erlernten wir ganz praktische Dinge, wie das öffnen
und schließen der Türen des Airbusses, die Handhabung der
Notausstiege oder die gesetzlichen Vorschriften über die
maximalen Flugdienstzeiten, was an sich schon fast ein komplett
abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften benötigen
würde.
Aufgelockert wurde dieser mitunter doch sehr trockene
Theorieteil aber von einigen recht spannenden Praxiseinheiten,
wie etwa den Besuch der Air Berlin Flugzeug-Werft in der die
Flugzeuge gewartet wurden, eine Notfallübung bei der wir ein
Flugzeugnachbau über aufgeblasene Notrutschen verlassen mussten
oder aber ein erste Hilfe Kurs.
Am letzten Tag dieses
Lehrgangs erhielten wir als Abschluss dann alle noch unsere neue
Air Berlin Dienstkleidung, unsere Piloten-Uniform. Ein wenig
Stolz machte uns das natürlich alle, denn endlich konnten wir
mit unserer Dienstkleidung in unsere Berufsrolle schlüpfen. Und
ganz bald schon, beginnen die so genannten ACM-Flüge, bei denen
ich für 14 Flüge noch auf dem Jumpseat im Cockpit sitzen werde
um meinen erfahrenen Kollegen nochmals über die Schulter zu
schauen. Dann aber folgt der spannendste Moment, mein erster
Flug mit Passagieren als Copilot. Wie mir mein Dienstplan (kann
hier heruntergeladen werden), welcher
übriges sehr Abwechslungsreich ist und einige interessante Ziele
aufweist, verrät, wird dieser schon in ungefähr einer Woche
stattfinden. Es bleibt also wie immer spannend...
Alles, was Rang aber (noch)
keinen Namen hat...
|
Etwas
Poesie... |
|
|
Februar
2010 |
|
Ein kleiner Happen Poesie
möchte ich hier veröffentlichen, aber keine Bange, ans Reimen
wage ich mich selbst -vorerst- nicht. Das überlasse ich nun mal
lieber den Spezialisten wie etwa meinem Großvater, der mit allen
nur möglichen Orden und Auszeichnungen der Lokal- und Fachpresse
dekoriert, trotz an einer Hand abzählbarer Flugerfahrung den
Kern der Sache doch erstaunlich gut trifft:
Alle unsere Guten
Wünsche sollen dich begleiten,
ab heute - in alle Höhen und Weiten,
du lebst jetzt - mit deinen Flügen- wie in zwei Welten,
in jeder verschiedene Regeln gelten.
Den Rahmen hat dir deine Ausbildung gegeben,
denn zeitweise fühlst du dich öfters wie einem anderen Leben-
vor jedem Start wird ein ganz bestimmtes Gefühl in dir sein--
weit weg von denen daheim.
Wenn du dann immer auf dem Rückflug die Positionslampen siehst
leuchten-
dann weißt du, ich hab etwas vollbracht - begleitet von diesen
Wünschen.
Und jetzt mach dich fertig zum ersten Start - endlich-.
Der Himmel mit seinen Höhen und Weiten erwartet dich.
-Walter
Meissner-
|
Erstens
es kommt anders.... und zweitens als man denkt. |
|
|
Februar
2010 |
|
Dieses Sprichwort hat sich
wieder einmal mehr bewahrheitet. Schon in meinem letzten Beitrag
über das Typerating für den A320 (siehe
hier) hatte ich es
angedeutet und nun ist es doch tatsächlich Ernst geworden:
Da bei Lufthansa immer
noch keine Einstellungen anstehen sind wir Flugschüler der
Lufthansa Flugschule weiter „überflüssig“. Nachdem im
vergangenen Jahr bereits einige einen Dreijahresvertrag bei
Swiss European als Copilot auf dem Avro unterschrieben hatten,
stand gegen Ende 2009 ein weiterer Arbeitgeber auf dem Programm,
der sich temporär unserer annehmen will. Air Berlin. Diese
Airline suchte für den Sommer, da hier saisonbedingt die meisten
Passagiere erwartet werden, noch nach qualifizierten Copiloten
für deren Airbus A320 Flotte. Damit war der Plan aufgegangen,
dass der Marktwert von uns Flugschülern deutlich gesteigert
wurde, indem wir schon vorab das Airbus Typerating machen
durften. So wurden aus ärgsten Konkurrenten Vertragspartner und
Lufthansa lieh interessierte Anwärter über eine
Personalvermittlungsagentur bis einschließlich Oktober 2010 an
Air Berlin aus, bevor wir dann ab November 2010 wieder in die
Warteliste auf einen Lufthansa-Arbeitsvertrag eingereiht werden.
Im Idealfall wäre sogar eine sofortige Einstellung dort möglich,
aber wenn eines in der Luftfahrt gewiss ist, dann ist es die
Ungewissheit…
Für alle Parteien ist
dieses Tauschgeschäft natürlich eine interessante Sache, denn
Air Berlin hatte kurzfristig und befristet Copiloten, Lufthansa
war uns von der Warteliste einstweilen los und wird später die
Kosten des Linetrainings sparen da wir das bei Air Berlin
absolvieren und schließlich können wir Flugschüler endlich los
fliegen und Erfahrung sammeln. Auch ich entschied mich für
dieses Angebot, hauptsächlich vom Reiz angetrieben einmal in
einen fremden Flugbetrieb hineinzuschnuppern, neue –teilweise
recht exotische- Ziele anzufliegen und viele unvergessliche
Erfahrungen zu machen. Später werde ich auch sagen können einmal
am Flughafen Berlin Tegel stationiert gewesen zu sein, bevor
dieser in ein paar Jahren geschlossen sein wird und zusammen mit
Berlin Schönefeld dem BBI-International Airport Platz macht. Im
Lufthansa Flight Training Center (es sind immer die selben
Akteure…) am Flughafen Berlin Schönefeld werde ich dann noch
einige wenige Simulatorflugstunden bekommen, ein paar
Theoriekurse zum Angleich an die Arbeitsvorschriften bei Air
Berlin absolvieren, an Evakuierungsübungen teilnehmen und nachdem ich an zwei Tagen noch als
dritter Mann im Cockpit mitfliegen werde, darf ich in ungefähr
vier Wochen dann als Copilot selber abheben. Natürlich anfangs
noch unter Aufsicht eines besonders erfahrenen Kapitäns und
eines zusätzlichen Copiloten, aber nach ungefähr einem
Arbeitsmonat und einem Checkflug hätte ich es dann geschafft und
dürfte mich offiziell „First Officer“ nennen. Schaun wir mal…
Wer hätte es gedacht? Mein
erster Arbeitsplatz sieht so aus
Wahnsinn ist es dennoch
was für Wege die Dinge im Leben manchmal gehen. Nachdem bis
direkt vor Ausbildungsende noch alles danach aussah, nahtlos im
Lufthansa Airbus Cockpit Platz nehmen zu können und dann
schlagartig die Wirtschaftskrise alles zunichte machte und
insgesamt ein Jahr Wartezeit angesagt war, sitze ich –quasi Hals
über Kopf- im Cockpit der größten Konkurrenz für Lufthansa.
Früher hätte ich dies wahrscheinlich nicht geglaubt, sollte mir
das eine Wahrsagerin aus Ihrer Glaskugel vorhergesagt haben. Nun
vertreibe ich mir erst einmal die Zeit mit der Auffrischung der
Airbus-Theorie, bin ich aber natürlich riesig gespannt auf das
was mich erwartet, freue mich auf die nächsten neun Monate und
werde an dieser Stelle berichten…
Schlagartig ist der Himmel
dann doch zum Greifen nahe...
|