Bemerkung:
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Neulich in ... Venedig

 

August 2010
 

 

...hatte ich die Chance ein paar Fotos zu schießen. Venedig an sich ist ja schon eine tolle Stadt, der Anflug mit  dem Ausblick auf die Lagune ist dafür ein entsprechend schöner Vorgeschmack. Das Wetter und der Sonnenstand gaben ihr übriges für ein paar gelungene Fotos:

So sieht der Anflug auf die Landebahn 04R in Venedig aus. Der Flughafen ist links in der Entfernung zu sehen. Rechts die Altstadt von Venedig. Zum greifen Nahe.
 

Die Stadt mit dem Kreuzfahrthafen und dem Canale Grande ist klar zu sehen.
 

Hier ist der Flughafen genau zu erkennen. Ebenso kann man die "abgesteckte" Wasserstraße erkennen, auf der die Taxiboote zwischen Flughafen und Stadt pendeln.

So viel für den Moment, jetzt heißt es erstmal für zwei Wochen Urlaub machen. Bis bald an dieser Stelle.

 

Der Blick aus dem Büro - Teil II

 

Juli 2010
 

 

Abendliches Lichtspiel

 

Alltag. Hier Überflug von Thessaloniki

 

Gewitter über den Abruzzen auf dem Weg nach Neapel in "Echt"...

 

... und als Darstellung auf dem Navigations Display. Alltag im Sommer und immer wieder Grund für kleine und große Umwege, denn ein Durchflug durch diese Zellen ist sehr gefährlich, neben den Blitzen die im schlimmsten Falle Flugzeugsysteme ausfallen lassen können, gibt es dort meist auch Hagel welcher das Flugzeug beschädigen kann.

 

Kurze Pause in Palermo, einem meiner Lieblingsflugplätze, da er sehr malerisch zu Füßen einer 1300m hohen senkrechten Felswand liegt. Diese befindet sich auf dem Bild oben gesehen direkt hinter dem Flugzeug.

 

Der Blick aus dem Büro

 

Juli 2010

 

Inzwischen fliege ich schon etwas mehr als ein viertel Jahr, habe meine Ausbildungszeit gut überstanden und so langsam ist der Alltag eingekehrt. Vieles, was früher aufregend und exklusiv erschien ist inzwischen zur Routine verkommen. Dennoch ragen bei allem Stress regelmäßig gewisse Flugimpressionen aus dem "Einheitsbrei" heraus, weswegen meine Kamera auf jedem Flug mit von der Partie ist. Diese Eindrücke der letzten Monate möchte ich nun präsentieren:

In ca. 3.300 (statt 10.000) Metern von Palma nach Düsseldorf. Dieser "Tiefflug" kam zustande, da ein Service-Fahrzeug die Tür dieses Flugzeuges beim Beladen beschädigte und die Druckkabine somit nicht mehr dicht war. Dabei handelte es sich übrigens um einen Überführungsflug ohne Passagiere an Bord. Ein Airbus in dieser Höhe sorgte sowohl bei den Fluglotsen als auch wahrscheinlich bei den Bewohnern am Boden für Verwunderung.
 

Der Blick ins Büro

 

Navigations Display (links) und sog. Primary Flight Display mit Horizont, Höhen- und Geschwindigkeitsanzeige

 

Copilotenperspektive, wie sie typisch ist. Oben blau, unten weiß vor Wolken

 

Pause auf dem Flughafen Sylt, mit dem etwas anderen kleinen Terminal

 

Kurz vor der Alpenüberquerung von Südfrankreich Richtung Schweiz, an einem besonders klaren Tag

 

Alpenmassiv nahe des Mont Blanc (unten links)

 

Kurze Pause auf dem Air Berlin Drehkreuz Palma de Mallorca

 

Flügelspitze

 

Der Star des Tages in Berlin, der Lufthansa A380 auf Werbetour durch Deutschland zieht die Besucher magisch an.

 

Einen Hauch Exotik gabs beim Layover in Moskau

 

Frühlingshafte Temperaturen dagegen im wunderschönen Sevillia

 

 

Berggipfel der Alpen

 

Kaffeepause mit Aussicht, keine Sorge, der Becher war zum Zeitpunkt des Bildes natürlich schon leer ;-)

 

Ein paar Detailaufnahmen, zum Ersten das Panel des Autopiloten

 

...die Uhr für weiterhin pünktliche Flüge

 

die Bremsdruckanzeige

 

...das Backup Primary Flight Display

 

und die Schalter zum Umschalten der Anzeigen auf den Displays

 

Sonnenuntergang über der Ostsee. Kurz nach dem längsten Tag im Jahr dauert dieses wunderschöne Naturschauspiel mehrere Stunden.

 

Überflug der Insel Skiathos, Griechenland mit dem anspruchsvollen Flughafen links auf der Insel

 

Hellas Athen! Die Stadt selbst ist vom hügeligen Terrain verdeckt, der internationale Flughafen dagegen ist in der Bildmitte zu sehen.

 

Nach der Überquerung des Mittelmeers heißt es wieder Land in Sicht in Ägypten

 

Gefährliche Schönheit, die Sahara. Beeindruckend zu wissen, das dieser schon so unendlich wirkende Ausschnitt nur einen minimalen Bruchteil der Gesamtgröße der Wüste ausmacht.

 

Der Fruchtbare Gürtel in der Wüste: der Nil

 

Für alle Interessierten gibt's unter folgendem Link übrigens noch eine kleine Sammlung der Flughäfen die ich anfliegen durfte. Ein kleiner und einfacher Überblick somit, über mein ganz persönliches Air Berlin Streckennetz. Bitte hier klicken. (Rote Pins = Air Berlin, Blaue Pins = Lufthansa, Türkisfarbene Pins = Cheyenne, Gelbe Pins = Bonanza)

 

ACM Flüge

 

April 2010

 

Die Luftfahrt besteht praktisch gesehen nicht aus Flugzeugen, Besatzung und Passagieren sondern eigentlich ausschließlich aus Abkürzungen. Wer etwas anderes behauptet - lügt. ACM meint schlichtweg "Additional Crew Member" oder auf deutsch eben "Zusätzliches Crew Mitglied". Dieses (oder Dieser) ACM war ich und insgesamt vierzehn Flüge als ACM waren vorgeschrieben bevor ich selbst als aktives Crewmitglied die Kontrolle über den Airbus übernehmen durfte. Folglich saß ich zunächst lediglich im Cockpit auf dem Beobachtersitz und schaute meinen Kollegen bei der Arbeit zu, aber durfte mich auch in sehr vielen Bereichen schon selbst einbringen und mithelfen und neue Dinge lernen, die im Simulator nie zum Tragen kamen. Diesen steht ganz vorneweg leider so etwas trockenes wie die Buchführung und Dokumentation eines jeden Fluges, sowie Spritbestellung und ähnliches. Aber was muss das muss und zum Glück ist Fliegen unterm Strich ja doch noch ein bisschen mehr.

Am ersten Tag der ACM Flüge ging es für mich zunächst früh morgens von Stuttgart nach Hamburg und zurück. Ein absoluter Routineflug, sehr kurz und recht unspektakulär. Interessant wurde es dann auf den nächsten beiden Flügen an diesem Tag, denn so ging es von Stuttgart nach Catania auf Sizilien und zurück. Bei wunderschönem Wetter war dann Sizilien schon von weitem zu erkennen und der majestätische Ätna wies mit einer kleinen Rauchfahne den eindeutigen Weg. Nicht ungefährlich übrigens diese vulkanische Aktivität, nicht nur für die Bewohner der Insel welche unmittelbar zu Füßen dieses Berges leben, sondern ebenso für die Luftfahrt. Der aufsteigende Rauch und die enthaltenen Schmutzpartikel können im schlimmsten Falle zu Triebwerksausfällen oder Kurzschlüssen führen, wenn sie in die elektrischen Systeme des Flugzeugs gelangen. Deswegen gehört zur Flugvorbereitung eines Fluges welcher nahe an aktiven Vulkanen vorbei führt, die Überprüfung so genannter "Ashtams", eine Wortkreation welche sich aus Ash (=Asche) und NOTAM (Notice to Airmen = Infos für Luftfahrer) zusammensetzt. An dieser stelle möchte ich nochmals aus gegebenem Anlass auf den allerersten Satz dieses Beitrages hinweisen...
Das aktuelle Ashtam warnte jedoch nur vor einer sehr kleinen Aschewolke, welche sich vom Ätna Richtung Osten ausbreitete. Da wir von Norden kamen und den Ätna auf dessen Westseite umflogen also kein Problem. Bei klarstem Wetter Überflogen wir also Sizilien und der mächtige Vulkan lag stets zu unserer Linken. In Richtung Meer flogen wir dann den an der Küste gelegenen Flughafen von Catania an, was wirklich ein beeindruckender Sightseeing Flug war.

Anflug auf Catania, Sizilien
 

Unsere Parkposition am Boden bot einen ebenso malerischen Ausblick. Wie im Bild unten zu sehen ist, blickten wir bei der Flugvorbereitung geradewegs über die Stadt Catania auf den schneebedeckten Ätna im Hintergrund.

Kurzer Bodenstopp auf dem Flughafen Catania, mit dem Ätna-Blick
 

Wenige Stunden später landeten wir dann wieder in Stuttgart und ein eindrücklicher aber doch sehr langer Arbeitstag mit vier Flügen ging zu Ende. Doch der Appetit auf mehr war natürlich geweckt und schon am nächsten Morgen ging es weiter.
Wie der Zufall es wollte ging es mit exakt dem selben Flugzeug, einem A319, wiederum auf den selben Flug von Stuttgart nach Hamburg und zurück. Zwar war es erst mein zweiter Tag bei Air Berlin, doch auf dieser Strecke hatte ich schon eine -wenn auch kleine- Ölspur hinterlassen. Business as usual.
Wie am Vortag folgte aber nach der Landung in Stuttgart am frühen Vormittag ein weiteres kleines Highlight. Auf den Plan stand nun ein Flug nach Olbia auf Sardinien und zurück. Es schien fast so als ob ich die italienischen Inseln anziehen würde. Aber auch hier führte uns die Strecke über die wolkenlos unter uns liegenden Alpen und bescherten uns wiederum einen kleinen Rundflug über Sardinien, bevor wir in Olbia vom Meer her kommend landeten. Für mich als Beobachter wahrlich ein Augenschmaus, für meine beiden fliegenden Kollegen doch etwas stressig, machten doch einige Verständigungsschwierigkeiten mit den italienischen Fluglotsen den Anflug etwas "sportlich" aber natürlich dennoch sicher und irgendwie abenteuerlich.
Im Folgenden nun ein Bild des Flughafens, die Landebahn liegt genau voraus, und rechts am Ufer der Bucht die schöne Stadt Olbia. Schade, dass wir nicht aussteigen konnten, denn nach nur 45 Minuten am Boden ging es dann auch schon wieder zurück in die Heimat und ein weiterer Arbeitstag ging zu Ende.

Anflug auf Olbia, Sardinien
 

An den nächtens beiden Tagen war dann ein Umlauf mit einer Übernachtung in Zürich geplant. So starteten wir wiederum früh morgens als einer der allerersten Flüge von Stuttgart in Richtung Alicante. Über Frankreich konnten wir, da wir in Richtung Westen flogen, dann einen ausgedehnten und langen Sonnenaufgang genießen und studierten dabei bei einer Tasse Morgenkaffee die Flughafeninformationen von Alicante, da dort sehr viele Bauarbeiten statt finden und es somit einiges zu beachten gilt. Seien es Kräne, die in den Anflugsektor hineinragen oder geschlossene Parkpositionen oder Rollwege. Problematisch ist, dass diese Informationen auch noch in der heutigen Zeit in codierter Form übermittelt werden, was noch aus den Zeiten stammte, als Informationsübermittlung kompliziert und teuer war und Texte dementsprechend kurz gehalten werden mussten. Dass dies mit unter aber für sehr viel Leseschwierigkeiten auch bei altgedienten Piloten führt, ist ein sicherlich nicht ganz unkritischer Punkt. Da wir aber mit über zweieinhalb Stunden Flugzeit in Richtung Alicante keinen Stress hatten, lösten wir in Teamarbeit diese frühmorgendlichen Rate- und Denksportaufgaben.
Nach dem etwas längeren Flug folgte nun ein kurzer Hopp von Alicante nach Palma de Mallorca, einem der wichtigsten Drehkreuze für Air Berlin, welche auf diesem Flughafen mit aller Deutlichkeit Platzhirsch Nummer eins ist. Interessant also für die spanischen Fluggäste quasi, flogen sie also mit einem in Deutschland zugelassenen Flugzeug und einer deutschen Besatzung auf einem innerspanischen Flug. Das Open Skies Abkommen und die Europäische Union machen es eben möglich.
Zum Abschluss ging es dann als letztes an diesem Tag von Palma zurück nach Zürich. Dort ging es dann in den wohl verdienten Feierabend, welcher jeder nach eigenem Geschmack verbrachte. Natürlich war die Unterkunft in einem Flughafenhotel organisiert und Übernachtungen in Hotels sind ja leider Alltag im Leben eines Piloten.

Der nächste Tag war auch schon der letzte Tag an dem ich nur als Zuschauer im Cockpit mit flog. Zu einer angenehmen Zeit gegen Mittag trafen wir uns am Hoteleingang und wurden mit dem Shuttlebus zum Operations Center am Flughafen Zürich gefahren. Es folgte die routinemäßige Sicherheitskontrolle und die Flugvorbereitung.
Kurze Zeit später verließen wir das wolkige Zürich und es ging ähnlich wie am Vortage zunächst nach Palma de Mallorca und von dort weiter nach Malaga.
Fliegt man Malaga vom Landesinneren kommend her an, zu was uns der herrschende Wind zwang, befindet man sich für ungefähr 40km stetig in nur geringer Höhe über einer Gebirgskette, welche in Richtung Landebahn quasi parallel zum sinkenden Anflugweg abfällt. Eine recht eindrückliche optische Täuschung, denn schaut man links und rechts aus dem Fenster befindet man sich für lange Zeit immer in der selben Höhe über den Dörfern und Windrädern, schaut man nach vorne ergibt sich das typische und eingebrannte Bild eines Anflugwinkles von drei Grad. Jeder Flughafen hat eben so seine kleinen Besonderheiten welche bei Unkenntnis und schlechterem Wetter als wir es hatten durchaus zu beachten sind.
Inzwischen war die Sonne schon fast wieder untergegangen, als wir uns dann auf den Heimweg von Malaga in Richtung Stuttgart machten. Durch die tiefschwarze französische Nacht flogen wir und landeten dann wenige Minuten bevor der Flughafen seine Tore für diesen Tag schloss in der Heimat. Die insgesamt vierzehn Flüge als ACM waren somit auch schon wieder Vergangenheit, bescherten mir aber einige unvergessliche Eindrücke und brachten durchaus auch einiges an Lerninhalten, denn auch wenn ich mit diesem Bericht vielleicht ein anderes Bild erzeuge, Fliegen ist eben nicht nur aus dem Fenster schauen und die Landschaft genießen, sondern vor allem zwischen den Flügen am Boden doch recht stressig und beinhaltet wie jeder Beruf auch so einiges an Papierarbeit, welche man eben auch erstmal erlernen muss und welche zum Fliegen genauso dazugehört wie schöne Aussichten, interessante Erlebnisse, Essen, Langeweile, Kommunikation, Voraussicht, Starts, Landungen und hoffentlich weitere spannende Geschichten, wenn ich dann auf den nächsten Flügen selbst als Copilot auf dem rechten Sitz im Airbus Platz nehmen werde.

Anflug auf Malaga, Spanien

 

 

Angepasst, Ausgestattet und Arbeitswütig

 

März 2010

 

Drei Worte mit dem selben Anfangsbuchstaben sind das, und wie der Zufall es will, wird der erste Buchstabe des Alphabets wie ein roter Faden durch diesen Blogeintrag leiten. Schließlich ist das "A" der Anfang des Alphabets und genau dieser Anfang steht jetzt unmittelbar bevor. Der Anfang meiner Fliegerkarriere auf dem echten Flugzeug welches, wer hätte das gedacht, ebenfalls ein "A" am Anfang schmückt: dem A320.

Bei Air Aerlin -Entschuldigung- Air Berlin fanden nun die letzten Wochen unzählige Umschulungskurse statt, der Airline geht es gut und es werden eine Vielzahl von Mitarbeitern eingestellt. Alle von fremden Fluggesellschaften kommenden, so auch ich, müssen dabei einen so genannten "conversion course" durchlaufen, um auf die Standards der Air Berlin gebracht zu werden. Für mich fand der erste Teil dieses Kurses in den Simulatorhallen der Lufthansa Flight Training in Berlin statt. Dieses riesige Trainingsgebäude beherbergt eine Vielzahl von Full Flight Simulatoren, welche von unterschiedlichen Airlines 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahre benutzt werden. Wie die Besucher die regelmäßig auf meinem Blog vorbei schauen sicher wissen, liegt mein letzter Flug auf einem Airbus schon fast ein halbes Jahr zurück. Das war damals noch im Landetraining zum erhalt der Lizenz gewesen. Deswegen freute ich mich natürlich umso mehr, im Zuge dieses Conversion Courser gleichweg eine gratis Auffrischung meiner Flugkünste erhalten zu können. Auch wenn ich anfangs doch recht skeptisch war, wie schnell man tatsächlich so etwas verlernt, so war ich doch erleichtert, als ich nach ein wenig Übung im Simulator schon bald wieder das Meiste sicher beherrschte. Es wäre nun wirklich sehr ärgerlich gewesen, hätte ich die drei Monate im Sommer als ich das Typerating machte, umsonst gelernt.

Doch natürlich sind die Flugstunden im Full Flight Simulator nach wie vor extrem teuer und so bekamen wir derer lediglich fünf Trainingseinheiten zugeteilt. Recht wenig, doch begleitet wurde das von weiteren Trainingseinheiten in einem so genannten "Fixed Base Trainer". Dies ist eine -mehr oder weniger- detailgetreue Nachbildung eines Airbus Cockpits, in der die grundlegenden Arbeitsabläufe quasi "im trockenen", also ohne Bewegung des Simulators geübt werden. Da Bilder mitunter deutlich mehr sagen als tausend Worte, ist im Folgenden mal ein Bild dieses Geräts zu sehen. Sehr interessant, aber mitunter etwas nervig dabei die Bedienung der "Flugzeug-Instrumente" direkt auf dem Bildschirm per Touch-Screen. Ich wage ja zu behaupten, dass sich früher oder später eine ähnliche Technologie sicherlich auch in den echten Flugzeugen durchsetzen wird...

Der so genannte "Fixed Base Simulator" dient dem Üben von Arbeitsabläufen und -Handgriffen

Airbus Cockpit mal Anders

Am Ende dieses Simulator-Lehrganges stand natürlich wie immer in der Fliegerei ein Checkflug auf dem Programm. Vom Ablauf her war dieser wie einer der jährlich stattfindenden Checkflüge, welche zum erhalt der Lizenz absolviert werden müssen.

Es ging los mit einem "Engine Failure"-Teil, hier wurden also Triebwerksausfälle bei allen möglichen Geschwindigkeiten, am Boden und in der Luft durchgespielt und die Reaktion der Crew darauf geprüft. Es folgte ein so genanter "LOFT" Teil. LOFT bedeutet "Line Orientated Flight Training", es wird also quasi ein fast normaler Linienflug von A nach B abgeflogen. Doch Simulator wäre nicht Simulator, wenn es nicht auch auf diesem Flug zu Komplikationen kommen würde. Kleinere und größere technische Probleme waren also auch hier unser ständiger Begleiter.
Abschließen folgt in jedem dieser Checks ein "Low Visibility" Teil. Dies beinhalten Starts und Landungen bei minimaler Sichtweite, was im Falle des Airbus ca. 125m für den Start und lediglich 75m für die Landung bedeutet. Da in der Lizenz diese Fähigkeiten der Crew unter solchen Wetterbedingungen fliegen zu dürfen seperat vermerkt sind, muss eben auch dies regelmäßig abgeprüft werden. In einem sehr lehrreichen und angenehmen Checkflug dann bestätigten wir unser können und damit waren alle Hürden genommen um bei Air Berlin mit dem Flugdienst anfangen zu dürfen.

Einer der Simulatoren der neuen Air Berlin Airbusse

Für alle neuen Copiloten ohne Flugerfahrung und auch für altgediente als Auffrischung mussten wir ein Woche später noch einen Theoriekurs besuchen. Innerhalb einer Woche stand da ein doch sehr bunt gemischtes Programm auf dem Plan:
Am Anfang erlernten wir ganz praktische Dinge, wie das öffnen und schließen der Türen des Airbusses, die Handhabung der Notausstiege oder die gesetzlichen Vorschriften über die maximalen Flugdienstzeiten, was an sich schon fast ein komplett abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften benötigen würde.
Aufgelockert wurde dieser mitunter doch sehr trockene Theorieteil aber von einigen recht spannenden Praxiseinheiten, wie etwa den Besuch der Air Berlin Flugzeug-Werft in der die Flugzeuge gewartet wurden, eine Notfallübung bei der wir ein Flugzeugnachbau über aufgeblasene Notrutschen verlassen mussten oder aber ein erste Hilfe Kurs.

Am letzten Tag dieses Lehrgangs erhielten wir als Abschluss dann alle noch unsere neue Air Berlin Dienstkleidung, unsere Piloten-Uniform. Ein wenig Stolz machte uns das natürlich alle, denn endlich konnten wir mit unserer Dienstkleidung in unsere Berufsrolle schlüpfen. Und ganz bald schon, beginnen die so genannten ACM-Flüge, bei denen ich für 14 Flüge noch auf dem Jumpseat im Cockpit sitzen werde um meinen erfahrenen Kollegen nochmals über die Schulter zu schauen. Dann aber folgt der spannendste Moment, mein erster Flug mit Passagieren als Copilot. Wie mir mein Dienstplan (kann hier heruntergeladen werden), welcher übriges sehr Abwechslungsreich ist und einige interessante Ziele aufweist, verrät, wird dieser schon in ungefähr einer Woche stattfinden. Es bleibt also wie immer spannend...

Alles, was Rang aber (noch) keinen Namen hat...

 

Etwas Poesie...

 

Februar 2010

 

Ein kleiner Happen Poesie möchte ich hier veröffentlichen, aber keine Bange, ans Reimen wage ich mich selbst -vorerst- nicht. Das überlasse ich nun mal lieber den Spezialisten wie etwa meinem Großvater, der mit allen nur möglichen Orden und Auszeichnungen der Lokal- und Fachpresse dekoriert, trotz an einer Hand abzählbarer Flugerfahrung den Kern der Sache doch erstaunlich gut trifft:

Alle unsere Guten Wünsche sollen dich begleiten,
ab heute - in alle Höhen und Weiten,
du lebst jetzt - mit deinen Flügen-  wie in zwei Welten,
in jeder verschiedene Regeln gelten.

Den Rahmen hat dir deine Ausbildung gegeben,
denn zeitweise fühlst du dich öfters wie einem anderen Leben-
vor jedem Start wird ein ganz bestimmtes Gefühl in dir sein--
weit weg von denen daheim.

Wenn du dann immer auf dem Rückflug die Positionslampen siehst leuchten-
dann weißt du, ich hab etwas vollbracht - begleitet von diesen Wünschen.
Und jetzt mach dich fertig zum ersten Start - endlich-.
Der Himmel mit seinen Höhen und Weiten erwartet dich.

-Walter Meissner-

 

Erstens es kommt anders.... und zweitens als man denkt.

 

Februar 2010

 

Dieses Sprichwort hat sich wieder einmal mehr bewahrheitet. Schon in meinem letzten Beitrag über das Typerating für den A320 (siehe hier) hatte ich es angedeutet und nun ist es doch tatsächlich Ernst geworden:

Da bei Lufthansa immer noch keine Einstellungen anstehen sind wir Flugschüler der Lufthansa Flugschule weiter „überflüssig“. Nachdem im vergangenen Jahr bereits einige einen Dreijahresvertrag bei Swiss European als Copilot auf dem Avro unterschrieben hatten, stand gegen Ende 2009 ein weiterer Arbeitgeber auf dem Programm, der sich temporär unserer annehmen will. Air Berlin.  Diese Airline suchte für den Sommer, da hier saisonbedingt die meisten Passagiere erwartet werden, noch nach qualifizierten Copiloten für deren Airbus A320 Flotte. Damit war der Plan aufgegangen, dass der Marktwert von uns Flugschülern deutlich gesteigert wurde, indem wir schon vorab das Airbus Typerating machen durften. So wurden aus ärgsten Konkurrenten Vertragspartner und Lufthansa lieh interessierte Anwärter über eine Personalvermittlungsagentur bis einschließlich Oktober 2010 an Air Berlin aus, bevor wir dann ab November 2010 wieder in die Warteliste auf einen Lufthansa-Arbeitsvertrag eingereiht werden. Im Idealfall wäre sogar eine sofortige Einstellung dort möglich, aber wenn eines in der Luftfahrt gewiss ist, dann ist es die Ungewissheit…

Für alle Parteien ist dieses Tauschgeschäft natürlich eine interessante Sache, denn Air Berlin hatte kurzfristig und befristet Copiloten, Lufthansa war uns von der Warteliste einstweilen los und wird später die Kosten des Linetrainings sparen da wir das bei Air Berlin absolvieren und schließlich können wir Flugschüler endlich los fliegen und Erfahrung sammeln. Auch ich entschied mich für dieses Angebot, hauptsächlich vom Reiz angetrieben einmal in einen fremden Flugbetrieb hineinzuschnuppern, neue –teilweise recht exotische- Ziele anzufliegen und viele unvergessliche Erfahrungen zu machen. Später werde ich auch sagen können einmal am Flughafen Berlin Tegel stationiert gewesen zu sein, bevor dieser in ein paar Jahren geschlossen sein wird und zusammen mit Berlin Schönefeld dem BBI-International Airport Platz macht. Im Lufthansa Flight Training Center (es sind immer die selben Akteure…) am Flughafen Berlin Schönefeld werde ich dann noch einige wenige Simulatorflugstunden bekommen, ein paar Theoriekurse zum Angleich an die Arbeitsvorschriften bei Air Berlin absolvieren, an Evakuierungsübungen teilnehmen und nachdem ich an zwei Tagen noch als dritter Mann im Cockpit mitfliegen werde, darf ich in ungefähr vier Wochen dann als Copilot selber abheben. Natürlich anfangs noch unter Aufsicht eines besonders erfahrenen Kapitäns und eines zusätzlichen Copiloten, aber nach ungefähr einem Arbeitsmonat und einem Checkflug hätte ich es dann geschafft und dürfte mich offiziell „First Officer“ nennen. Schaun wir mal…

Wer hätte es gedacht? Mein erster Arbeitsplatz sieht so aus

Wahnsinn ist es dennoch was für Wege die Dinge im Leben manchmal gehen. Nachdem bis direkt vor Ausbildungsende noch alles danach aussah, nahtlos im Lufthansa Airbus Cockpit Platz nehmen zu können und dann schlagartig die Wirtschaftskrise alles zunichte machte und insgesamt ein Jahr Wartezeit angesagt war, sitze ich –quasi Hals über Kopf- im Cockpit der größten Konkurrenz für Lufthansa. Früher hätte ich dies wahrscheinlich nicht geglaubt, sollte mir das eine Wahrsagerin aus Ihrer Glaskugel vorhergesagt haben. Nun vertreibe ich mir erst einmal die Zeit mit der Auffrischung der Airbus-Theorie, bin ich aber natürlich riesig gespannt auf das was mich erwartet, freue mich auf die nächsten neun Monate und werde an dieser Stelle berichten…

Schlagartig ist der Himmel dann doch zum Greifen nahe...

 

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