Bemerkung:
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Abrechnung

 

November 2010
 

 

Am Ende folgt die Abrechnung. Das dabei nicht zwangsläufig Zahlen im Spiel sind, bewiesen nicht nur unzählige Hollywood-Helden, welche gute als auch schlechte Zeiten mit ihren Fäusten abrechneten. Soweit möchte ich jedoch nicht gehen, waren die letzten knapp acht Monate bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin doch im Großen und Ganzen eine wunderbare Zeit gewesen. Folglich werde ich mich bei meiner ganz persönlichen Abrechnung mit Worten, Bildern und Zahlen zufrieden geben, Hollywoodqualitäten hatte ich noch nie und die dahingehenden Ambitionen werde ich hoffentlich auch nie haben. Nun also, der befristete Arbeitsvertrag bei Air Berlin lief aus und es war Zeit, einmal im Flugbuch zu schmökern. Damit der Eine oder Andere eine genauere Vorstellung über den alltäglichen Flugbetrieb bekommt, habe ich im Folgenden eine kleine Statistik über die letzten acht Monate erstellt:
 

Anzahl Flüge:     

201

Flugstunden:     

402:28

längster Flug:     

Berlin - La Palma (3700km)

kürzester Flug:     

Luxor - Hurghada (195km)

Flüge mit A319 / A320 / A321:     

37 / 134 / 30

unterschiedliche Flugzeuge:     

33

häufigstes Kennzeichen:     

D-ABFA (19 Flüge)

Destinations:     

Karte (rote Pins)


Natürlich lässt sich das Erlebte nur in sehr geringem Maße in Zahlen oder Bilder zwängen. Ich schaue tatsächlich nun mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die vergangene Zeit zurück. Ich kann lachen, da mein eigentlicher Arbeitgeber Lufthansa nun endlich wieder Personalbedarf hat und ich -fast nahtlos, nach einwöchiger Pause- Anfang November dort im Konzern wieder mit dem Fliegen beginne. Auch wenn zunächst erst einmal wieder ein Simulator-Lehrgang und weitere Umschulungskurse auf dem Programm stehen, so wird die zukünftige Arbeit von der Stabilität und den allgemeinen Arbeitsbedingungen mit Sicherheit gegenüber Air Berlin ein Fortschritt sein. Eine kleine, virtuelle Träne verdrücke ich jedoch schon, war es bei Air Berlin doch eine so einprägsame Zeit gewesen. Meine allerersten Flugstunden "auf der Linie" sammelte ich dort, die Kollegen waren freundlich, die Flugziele meist sonnig.
Ich würde es definitiv wieder genauso machen. Zwar hoffe ich auf eine lange Fliegerkarriere bei der Lufthansa, doch hatte ich die Chance gehabt die andere Seite kennen zu lernen. Die Menschen in der Fliegerei haben auf allen Seiten ähnliche Wünsche und Sorgen. Da ist es egal ob das Flugzeug rot oder blau ist. Das Kapitel Air Berlin ist beendet und viele weitere, spannende werden noch folgen. Und sicherlich werde ich manchmal zurückblättern und noch einmal durchleben wie alles damals begann...


Auf Wiedersehen Air Berlin, Hallo Lufthansa!

Der erste Schnee in den tiefer gelegenen Alpentälern fiel Anfang Oktober. Von jetzt an heißt es wieder "Ski und Rodel Gut" während des kommenden -aller Voraussagen nach sehr strengen- Winters.

 

Ein bisschen hoch poliertes Schwermetall während des alltäglichen Verkehrschaos auf dem Flughafen in Rom. American Airlines mit Boeing 767.

 

Irgendwo über dem Mittelmeer kurz vor dem Sinkflug in Richtung Palma de Mallorca. Gerade geht die Sonne auf und hinter uns liegt bereits über eine Stunde Flugzeit.


 

Licht- und Wolkenspiele über dem Mittelmeer.

 

Ein Stück Toblerone? Nicht ganz, das markante Matterhorn aus der Vogelperspektive.

 

Ein sonniger Herbstabend auf dem Moskauer Flughafen Domodedovo. Auch wenn dieser Flughafen von der Infrastruktur schon mit westlichem Standard aufwarten kann, so vergammeln an den entlegenen Ecken des Flughafens einige Schätze sowjetischer Flugzeugbaukunst. Ich würde so einiges dafür geben, auf diesem Gelände mit der Kamera bewaffnet herumstreunen zu können. Aber ein Blick aus dem Flugzeug muss wohl genügen.

 

Tupolew 154 der Ural Airlines aus Ekaterinenburg. Moskau lässt das Herz eines Flugzeugfans jedes mal aufs neue höher schlagen.

 

Oldschool? 60er Jahre Tankwagen auf La Palma.

.

Auch eine Möglichkeit der Terminal-Erweiterung: Das Alte Terminal in gelblichen Farbton befindet sich in erster Reihe, unmittelbar dahinter wird ein komplett neues Terminal samt Kontrollturm gebaut. Sobald dieses dann fertig ist wird das in erster Reihe stehende alte Gebäude abgerissen. Somit erzielt man ein vergrößertes Vorfeld und ein Flughafen-Neubau in einem. Clever gemacht!

 

Blick die Startbahn 01 hinunter. Sie wirkt hier natürlich sehr kurz (tatsächliche Länge 2200m), was aber daran liegt, dass das erste Drittel bergauf, die anderen zwei Drittel bergab gehen. Das ist im Anflug zum einen eine optische Täuschung, zum anderen beeinflusst dieses Bahnprofil die Start und Landeeigenschaften des Flugzeuges natürlich enorm.

 

Hoch über Lissabon.

 

Der Teide (3.718m) überragt die tief liegende Wolkenschicht um ein Weites und dominiert die ansonsten eher flache Insellandschaft der Kanaren.

 

Queranflug auf die Piste 01 in La Palma

 

Endanflug auf die Landebahn 01 in La Palma

 

Airbus A321 der spanischen Iberia auf dem Weg nach Madrid.

 

Willkommen an Bord...

 

September 2010
 

 

...liebe "Fox Kilo". Hinter diesem doch eher unschön klingenden Namen verbirgt sich das neueste Flugzeug in der Airbus Flotte der Air Berlin. Aus einer vor einigen Jahren getätigten Bestellung beim Flugzeugbauer Airbus werden in regelmäßigen Abständen die bestellten Flugzeuge verkauft. Vor einigen Tagen nun hatte ich das Vergnügen die neueste Auslieferung auf ihrem allerersten Flug im Passagierdienst zu fliegen. Auch wenn ja eigentlich all die Airbusse gleich sind, ist es dennoch ein besonderes Gefühl. An das erste Mal erinnert man sich ja immer - so war es auch an diesem Tag. Passend zum Erstflug an diesem Tag von Berlin nach Mailand eröffnete sich unter uns ein morgendliches Alpenpanorama wie ich es so noch nie gesehen hatte. Klar und jungfräulich war der Morgen, die Parallelen zum Anlass dieses Fluges liegen ja nun auf der Hand.

Die Schweizer Alpen während des Sinkfluges in Richtung Mailand

 

unendlich wirkende Alpenketten

 

Heimatgefühle beim Passieren des Bodensees, in Richtung Norden war's dann vorbei mit der klaren Sicht

 

Fliegermomente wie sie für's Fotoalbum kaum besser geeignet sein könnten

 

Bilderrätsel: Was könnte das hier sein?
Die Auflösung ist ganz einfach, zu sehen ist der Blick auf eines der Hauptfahrwerke von oben. Schon nach kurzer Zeit sind die hier noch schimmernd weißen Teile des Bremssystems von den täglichen Gebrauchsspuren pechschwarz.

 

"Fox Kilo" - Nichts weiter als die ins "Fliegerlatein" übersetzten letzten beiden Buchstaben des Flugzeug-Kennzeichens.

 

Alles glänzt und blitzt. Nagelneu eben ;-)

Ein Erstflug wie dieser ist natürlich hauptsächlich im Kopfe etwas besonderes, in der tatsächlichen Arbeit unterscheidet er sich nur geringfügig vom normalen Linieneinsatz. Wer schon mal einen Neuwagen abgeholt hat weiß wahrscheinlich von was ich spreche. Einem solchen Gerät begegnet man mit einer Mischung aus Stolz und Erfurcht, wirkt die sonst selbstverständliche Technik doch in diesem Moment auf eine besondere Art und Weise überlegener, auch wenn sich hinter hochpolierten Abdeckpanelen die selben Schaltungen und Bauelemente befinden wie in einem etwas älteren Flugzeug.
Doch eine kleine Kleinigkeit war nun wirklich anders. Dabei spreche ich nicht von einigen Software-Neuerungen, sondern von der unglaublichen Reichweite dieses Flugzeuges an seinem ersten Arbeitstag. Frisch und kraftvoll war es noch und so konnten wir an diesem Tage vier Flüge absolvieren, zwischen denen sonst im Normalfall jedes Mal nachgetankt werden müsste. Die Erfindung des Spritfreien Fliegens wurde aber leider auch dieses mal nicht entwickelt, der Grund ist viel einfacher: Gab es wohl vor einigen Jahren vom Flugzeughersteller noch einen Gratis-Check nach einer gewissen Flugzeit dazu ist es in Zeiten hoher Benzinpreise eine gratis Tankfüllung. Nun weiß ich auch, dass 15 Tonnen Sprit aus dem Airbus Werk in Toulouse problemlos ausreichen um von Berlin nach Mailand und zurück sowie nach Köln und zurück reichen. Um diese Erfahrung reicher kann ich also sagen: das erste Mal ist doch irgendwie besonders und bringt so einige neue Erfahrungen mit sich.

Ähnlich schöne Erfahrungen wie von einem Flug ins sizilianische Catania ein paar Tage zuvor, welches direkt zu Füßen des Ätna liegt. Ein wunderbarer Flugplatz, dessen An- und Abflugrouten eine Umrundung dieses 3323m hohen Berges beinhalten. Nach starken Regenschauern am Mittag durfte ich einen wunderbar klaren Spätsommerabend dort erleben, von dessen Flug ich abschließend noch ein paar Bilder mitgebracht habe. Viel Vergnügen:

 

Ein erster Blick auf das Wahrzeichen Siziliens im Anflug auf die Landebahn 08 in Catania
 

Es klart auf um den Ätna. Wenige Minuten Flugzeit liegen noch vor uns.

 

Boeing 737 der Air Berlin auf dem Flughafen Catania

 

Letzte rosa gefärbte Wolkenfetzen ziehen ab und geben den Blick auf den Ätna frei. Dies ist übrigens der Blick von unserer Parkposition am Flughafen aus. Gute Nacht Sizilien!

 

Die Vorletzte

 

September 2010
 

 

Nach urlaubsbedingter Schaffenspause begann nun mit dem September mein vorletzter Arbeitsmonat bei Air Berlin, bevor die Arbeitnehmerüberlassung auslaufen wird und ich meinen Weg zurück zur Lufthansa machen werde. Dass die Fliegerei dann im Oktober nahtlos weitergeht scheint im Moment fast sicher. Ein schönes Gefühl was zum einen an der anziehenden Wirtschaft liegt, zum Anderen aber an einem ganz anderen Umstand. Gesetz ist schließlich Gesetz und so musste ich vor einigen Wochen meine Fluglizenz verlängern. Diese hat immer nur ein "Haltbarkeitsdatum" von einem Jahr und durch eine zweitägige Simulatorsession und dem üben von Notfallverfahren wird diese von einem befugten Prüfer verlängert. Ein komisches Gefühl war es dennoch, nach so langer Zeit wieder einmal im Simulator zu sitzen und das jetzt, wo ich das "echte" Flugzeug doch schon recht gut kenne. Was damals im Simulator noch beeindruckend echt wirkte, ist heute doch ein wenig einfach und gespielt, an der Gesamtsituation jedoch ändert sich natürlich dennoch nichts, dass der Simulator das billigere und sicherere Trainingsgerät ist, gerade eben für die Notfälle. Etwas Schweiß und viele neuen Erkenntnissen später erhielt auch ich meine Verlängerung, was natürlich doch eine kleine Last von den Schultern nimmt. Alle Zeichen stehen also auch weiterhin darauf, dass ich Euch an dieser Stelle auch in Zukunft einige Eindrücke meines Arbeitsalltages präsentieren kann, so etwa wie diese hier:

Die Tiefstehende Sonne leuchtet von hinten in eines der beiden Triebwerke und erzeugt einen netten Lichteffekt.

 

Lufthansa A319 in Wien, in etwa zwei Monaten ist mein Wechsel zur Lufthansa dann perfekt.

 

Überflug über das Mont-Blanc Massiv kurz nach Sonnenaufgang.

 

Sonnenuntergang über dem Golf von Biscaya

 

Abendstimmung. Hier einer der älteren A321 der Air Berlin, erkennbar an den altmodischen Röhrenbildschirmen

 

Lichtspiele an der Algarve

 

107 Knoten Seitenwind von rechts. So lässt sich gut sehen dass die Flugzeugnase (gelber Strich) auf einem Kurs von 225° ist, das Flugzeug selbst aber gegenüber dem Boden (grüne Raute) auf einem Kurs von 212° fliegt. Den Wind gilt es stets zu berücksichtigen, egal ob bei Start, Landung oder der Wahl der Reiseflughöhe.

 

Sonnenaufgang auf dem Heimweg von Keflavik. Im August wird es schon wieder dunkel, aber ein leichter, heller Schein im Osten begleitete uns während des gesamten Fluges durch die Nacht.

 

Nightflight

 

Die so genannte "INIT"-Seite der MCDU in der die Flugroute gespeichert ist. Oben rechts in der Ecke stehen Start und Zielflughafen. Hier ist es BIKF (Keflavik) und EDDT (Berlin Tegel). Ein Sehr interessanter Flug, da er teilweise durch das so genannte "North Atlantic Track System" führt und damit einige spezielle Verfahren durchgeführt werden müssen, wie sie sonst nur bei einer Atlantiküberquerung, also bei einem Langstreckenflug beispielsweise in die USA nötig sind.

 

Sonnenuntergang auf dem Weg von Spanien Richtung Norden.

 

 

Neulich in ... Venedig

 

August 2010
 

 

...hatte ich die Chance ein paar Fotos zu schießen. Venedig an sich ist ja schon eine tolle Stadt, der Anflug mit  dem Ausblick auf die Lagune ist dafür ein entsprechend schöner Vorgeschmack. Das Wetter und der Sonnenstand gaben ihr übriges für ein paar gelungene Fotos:

So sieht der Anflug auf die Landebahn 04R in Venedig aus. Der Flughafen ist links in der Entfernung zu sehen. Rechts die Altstadt von Venedig. Zum greifen Nahe.
 

Die Stadt mit dem Kreuzfahrthafen und dem Canale Grande ist klar zu sehen.
 

Hier ist der Flughafen genau zu erkennen. Ebenso kann man die "abgesteckte" Wasserstraße erkennen, auf der die Taxiboote zwischen Flughafen und Stadt pendeln.

So viel für den Moment, jetzt heißt es erstmal für zwei Wochen Urlaub machen. Bis bald an dieser Stelle.

 

Der Blick aus dem Büro - Teil II

 

Juli 2010
 

 

Abendliches Lichtspiel

 

Alltag. Hier Überflug von Thessaloniki

 

Gewitter über den Abruzzen auf dem Weg nach Neapel in "Echt"...

 

... und als Darstellung auf dem Navigations Display. Alltag im Sommer und immer wieder Grund für kleine und große Umwege, denn ein Durchflug durch diese Zellen ist sehr gefährlich, neben den Blitzen die im schlimmsten Falle Flugzeugsysteme ausfallen lassen können, gibt es dort meist auch Hagel welcher das Flugzeug beschädigen kann.

 

Kurze Pause in Palermo, einem meiner Lieblingsflugplätze, da er sehr malerisch zu Füßen einer 1300m hohen senkrechten Felswand liegt. Diese befindet sich auf dem Bild oben gesehen direkt hinter dem Flugzeug.

 

Der Blick aus dem Büro

 

Juli 2010

 

Inzwischen fliege ich schon etwas mehr als ein viertel Jahr, habe meine Ausbildungszeit gut überstanden und so langsam ist der Alltag eingekehrt. Vieles, was früher aufregend und exklusiv erschien ist inzwischen zur Routine verkommen. Dennoch ragen bei allem Stress regelmäßig gewisse Flugimpressionen aus dem "Einheitsbrei" heraus, weswegen meine Kamera auf jedem Flug mit von der Partie ist. Diese Eindrücke der letzten Monate möchte ich nun präsentieren:

In ca. 3.300 (statt 10.000) Metern von Palma nach Düsseldorf. Dieser "Tiefflug" kam zustande, da ein Service-Fahrzeug die Tür dieses Flugzeuges beim Beladen beschädigte und die Druckkabine somit nicht mehr dicht war. Dabei handelte es sich übrigens um einen Überführungsflug ohne Passagiere an Bord. Ein Airbus in dieser Höhe sorgte sowohl bei den Fluglotsen als auch wahrscheinlich bei den Bewohnern am Boden für Verwunderung.
 

Der Blick ins Büro

 

Navigations Display (links) und sog. Primary Flight Display mit Horizont, Höhen- und Geschwindigkeitsanzeige

 

Copilotenperspektive, wie sie typisch ist. Oben blau, unten weiß vor Wolken

 

Pause auf dem Flughafen Sylt, mit dem etwas anderen kleinen Terminal

 

Kurz vor der Alpenüberquerung von Südfrankreich Richtung Schweiz, an einem besonders klaren Tag

 

Alpenmassiv nahe des Mont Blanc (unten links)

 

Kurze Pause auf dem Air Berlin Drehkreuz Palma de Mallorca

 

Flügelspitze

 

Der Star des Tages in Berlin, der Lufthansa A380 auf Werbetour durch Deutschland zieht die Besucher magisch an.

 

Einen Hauch Exotik gabs beim Layover in Moskau

 

Frühlingshafte Temperaturen dagegen im wunderschönen Sevillia

 

 

Berggipfel der Alpen

 

Kaffeepause mit Aussicht, keine Sorge, der Becher war zum Zeitpunkt des Bildes natürlich schon leer ;-)

 

Ein paar Detailaufnahmen, zum Ersten das Panel des Autopiloten

 

...die Uhr für weiterhin pünktliche Flüge

 

die Bremsdruckanzeige

 

...das Backup Primary Flight Display

 

und die Schalter zum Umschalten der Anzeigen auf den Displays

 

Sonnenuntergang über der Ostsee. Kurz nach dem längsten Tag im Jahr dauert dieses wunderschöne Naturschauspiel mehrere Stunden.

 

Überflug der Insel Skiathos, Griechenland mit dem anspruchsvollen Flughafen links auf der Insel

 

Hellas Athen! Die Stadt selbst ist vom hügeligen Terrain verdeckt, der internationale Flughafen dagegen ist in der Bildmitte zu sehen.

 

Nach der Überquerung des Mittelmeers heißt es wieder Land in Sicht in Ägypten

 

Gefährliche Schönheit, die Sahara. Beeindruckend zu wissen, das dieser schon so unendlich wirkende Ausschnitt nur einen minimalen Bruchteil der Gesamtgröße der Wüste ausmacht.

 

Der Fruchtbare Gürtel in der Wüste: der Nil

 

Für alle Interessierten gibt's unter folgendem Link übrigens noch eine kleine Sammlung der Flughäfen die ich anfliegen durfte. Ein kleiner und einfacher Überblick somit, über mein ganz persönliches Air Berlin Streckennetz. Bitte hier klicken. (Rote Pins = Air Berlin, Blaue Pins = Lufthansa, Türkisfarbene Pins = Cheyenne, Gelbe Pins = Bonanza)

 

ACM Flüge

 

April 2010

 

Die Luftfahrt besteht praktisch gesehen nicht aus Flugzeugen, Besatzung und Passagieren sondern eigentlich ausschließlich aus Abkürzungen. Wer etwas anderes behauptet - lügt. ACM meint schlichtweg "Additional Crew Member" oder auf deutsch eben "Zusätzliches Crew Mitglied". Dieses (oder Dieser) ACM war ich und insgesamt vierzehn Flüge als ACM waren vorgeschrieben bevor ich selbst als aktives Crewmitglied die Kontrolle über den Airbus übernehmen durfte. Folglich saß ich zunächst lediglich im Cockpit auf dem Beobachtersitz und schaute meinen Kollegen bei der Arbeit zu, aber durfte mich auch in sehr vielen Bereichen schon selbst einbringen und mithelfen und neue Dinge lernen, die im Simulator nie zum Tragen kamen. Diesen steht ganz vorneweg leider so etwas trockenes wie die Buchführung und Dokumentation eines jeden Fluges, sowie Spritbestellung und ähnliches. Aber was muss das muss und zum Glück ist Fliegen unterm Strich ja doch noch ein bisschen mehr.

Am ersten Tag der ACM Flüge ging es für mich zunächst früh morgens von Stuttgart nach Hamburg und zurück. Ein absoluter Routineflug, sehr kurz und recht unspektakulär. Interessant wurde es dann auf den nächsten beiden Flügen an diesem Tag, denn so ging es von Stuttgart nach Catania auf Sizilien und zurück. Bei wunderschönem Wetter war dann Sizilien schon von weitem zu erkennen und der majestätische Ätna wies mit einer kleinen Rauchfahne den eindeutigen Weg. Nicht ungefährlich übrigens diese vulkanische Aktivität, nicht nur für die Bewohner der Insel welche unmittelbar zu Füßen dieses Berges leben, sondern ebenso für die Luftfahrt. Der aufsteigende Rauch und die enthaltenen Schmutzpartikel können im schlimmsten Falle zu Triebwerksausfällen oder Kurzschlüssen führen, wenn sie in die elektrischen Systeme des Flugzeugs gelangen. Deswegen gehört zur Flugvorbereitung eines Fluges welcher nahe an aktiven Vulkanen vorbei führt, die Überprüfung so genannter "Ashtams", eine Wortkreation welche sich aus Ash (=Asche) und NOTAM (Notice to Airmen = Infos für Luftfahrer) zusammensetzt. An dieser stelle möchte ich nochmals aus gegebenem Anlass auf den allerersten Satz dieses Beitrages hinweisen...
Das aktuelle Ashtam warnte jedoch nur vor einer sehr kleinen Aschewolke, welche sich vom Ätna Richtung Osten ausbreitete. Da wir von Norden kamen und den Ätna auf dessen Westseite umflogen also kein Problem. Bei klarstem Wetter Überflogen wir also Sizilien und der mächtige Vulkan lag stets zu unserer Linken. In Richtung Meer flogen wir dann den an der Küste gelegenen Flughafen von Catania an, was wirklich ein beeindruckender Sightseeing Flug war.

Anflug auf Catania, Sizilien
 

Unsere Parkposition am Boden bot einen ebenso malerischen Ausblick. Wie im Bild unten zu sehen ist, blickten wir bei der Flugvorbereitung geradewegs über die Stadt Catania auf den schneebedeckten Ätna im Hintergrund.

Kurzer Bodenstopp auf dem Flughafen Catania, mit dem Ätna-Blick
 

Wenige Stunden später landeten wir dann wieder in Stuttgart und ein eindrücklicher aber doch sehr langer Arbeitstag mit vier Flügen ging zu Ende. Doch der Appetit auf mehr war natürlich geweckt und schon am nächsten Morgen ging es weiter.
Wie der Zufall es wollte ging es mit exakt dem selben Flugzeug, einem A319, wiederum auf den selben Flug von Stuttgart nach Hamburg und zurück. Zwar war es erst mein zweiter Tag bei Air Berlin, doch auf dieser Strecke hatte ich schon eine -wenn auch kleine- Ölspur hinterlassen. Business as usual.
Wie am Vortag folgte aber nach der Landung in Stuttgart am frühen Vormittag ein weiteres kleines Highlight. Auf den Plan stand nun ein Flug nach Olbia auf Sardinien und zurück. Es schien fast so als ob ich die italienischen Inseln anziehen würde. Aber auch hier führte uns die Strecke über die wolkenlos unter uns liegenden Alpen und bescherten uns wiederum einen kleinen Rundflug über Sardinien, bevor wir in Olbia vom Meer her kommend landeten. Für mich als Beobachter wahrlich ein Augenschmaus, für meine beiden fliegenden Kollegen doch etwas stressig, machten doch einige Verständigungsschwierigkeiten mit den italienischen Fluglotsen den Anflug etwas "sportlich" aber natürlich dennoch sicher und irgendwie abenteuerlich.
Im Folgenden nun ein Bild des Flughafens, die Landebahn liegt genau voraus, und rechts am Ufer der Bucht die schöne Stadt Olbia. Schade, dass wir nicht aussteigen konnten, denn nach nur 45 Minuten am Boden ging es dann auch schon wieder zurück in die Heimat und ein weiterer Arbeitstag ging zu Ende.

Anflug auf Olbia, Sardinien
 

An den nächtens beiden Tagen war dann ein Umlauf mit einer Übernachtung in Zürich geplant. So starteten wir wiederum früh morgens als einer der allerersten Flüge von Stuttgart in Richtung Alicante. Über Frankreich konnten wir, da wir in Richtung Westen flogen, dann einen ausgedehnten und langen Sonnenaufgang genießen und studierten dabei bei einer Tasse Morgenkaffee die Flughafeninformationen von Alicante, da dort sehr viele Bauarbeiten statt finden und es somit einiges zu beachten gilt. Seien es Kräne, die in den Anflugsektor hineinragen oder geschlossene Parkpositionen oder Rollwege. Problematisch ist, dass diese Informationen auch noch in der heutigen Zeit in codierter Form übermittelt werden, was noch aus den Zeiten stammte, als Informationsübermittlung kompliziert und teuer war und Texte dementsprechend kurz gehalten werden mussten. Dass dies mit unter aber für sehr viel Leseschwierigkeiten auch bei altgedienten Piloten führt, ist ein sicherlich nicht ganz unkritischer Punkt. Da wir aber mit über zweieinhalb Stunden Flugzeit in Richtung Alicante keinen Stress hatten, lösten wir in Teamarbeit diese frühmorgendlichen Rate- und Denksportaufgaben.
Nach dem etwas längeren Flug folgte nun ein kurzer Hopp von Alicante nach Palma de Mallorca, einem der wichtigsten Drehkreuze für Air Berlin, welche auf diesem Flughafen mit aller Deutlichkeit Platzhirsch Nummer eins ist. Interessant also für die spanischen Fluggäste quasi, flogen sie also mit einem in Deutschland zugelassenen Flugzeug und einer deutschen Besatzung auf einem innerspanischen Flug. Das Open Skies Abkommen und die Europäische Union machen es eben möglich.
Zum Abschluss ging es dann als letztes an diesem Tag von Palma zurück nach Zürich. Dort ging es dann in den wohl verdienten Feierabend, welcher jeder nach eigenem Geschmack verbrachte. Natürlich war die Unterkunft in einem Flughafenhotel organisiert und Übernachtungen in Hotels sind ja leider Alltag im Leben eines Piloten.

Der nächste Tag war auch schon der letzte Tag an dem ich nur als Zuschauer im Cockpit mit flog. Zu einer angenehmen Zeit gegen Mittag trafen wir uns am Hoteleingang und wurden mit dem Shuttlebus zum Operations Center am Flughafen Zürich gefahren. Es folgte die routinemäßige Sicherheitskontrolle und die Flugvorbereitung.
Kurze Zeit später verließen wir das wolkige Zürich und es ging ähnlich wie am Vortage zunächst nach Palma de Mallorca und von dort weiter nach Malaga.
Fliegt man Malaga vom Landesinneren kommend her an, zu was uns der herrschende Wind zwang, befindet man sich für ungefähr 40km stetig in nur geringer Höhe über einer Gebirgskette, welche in Richtung Landebahn quasi parallel zum sinkenden Anflugweg abfällt. Eine recht eindrückliche optische Täuschung, denn schaut man links und rechts aus dem Fenster befindet man sich für lange Zeit immer in der selben Höhe über den Dörfern und Windrädern, schaut man nach vorne ergibt sich das typische und eingebrannte Bild eines Anflugwinkles von drei Grad. Jeder Flughafen hat eben so seine kleinen Besonderheiten welche bei Unkenntnis und schlechterem Wetter als wir es hatten durchaus zu beachten sind.
Inzwischen war die Sonne schon fast wieder untergegangen, als wir uns dann auf den Heimweg von Malaga in Richtung Stuttgart machten. Durch die tiefschwarze französische Nacht flogen wir und landeten dann wenige Minuten bevor der Flughafen seine Tore für diesen Tag schloss in der Heimat. Die insgesamt vierzehn Flüge als ACM waren somit auch schon wieder Vergangenheit, bescherten mir aber einige unvergessliche Eindrücke und brachten durchaus auch einiges an Lerninhalten, denn auch wenn ich mit diesem Bericht vielleicht ein anderes Bild erzeuge, Fliegen ist eben nicht nur aus dem Fenster schauen und die Landschaft genießen, sondern vor allem zwischen den Flügen am Boden doch recht stressig und beinhaltet wie jeder Beruf auch so einiges an Papierarbeit, welche man eben auch erstmal erlernen muss und welche zum Fliegen genauso dazugehört wie schöne Aussichten, interessante Erlebnisse, Essen, Langeweile, Kommunikation, Voraussicht, Starts, Landungen und hoffentlich weitere spannende Geschichten, wenn ich dann auf den nächsten Flügen selbst als Copilot auf dem rechten Sitz im Airbus Platz nehmen werde.

Anflug auf Malaga, Spanien

 

 

Angepasst, Ausgestattet und Arbeitswütig

 

März 2010

 

Drei Worte mit dem selben Anfangsbuchstaben sind das, und wie der Zufall es will, wird der erste Buchstabe des Alphabets wie ein roter Faden durch diesen Blogeintrag leiten. Schließlich ist das "A" der Anfang des Alphabets und genau dieser Anfang steht jetzt unmittelbar bevor. Der Anfang meiner Fliegerkarriere auf dem echten Flugzeug welches, wer hätte das gedacht, ebenfalls ein "A" am Anfang schmückt: dem A320.

Bei Air Aerlin -Entschuldigung- Air Berlin fanden nun die letzten Wochen unzählige Umschulungskurse statt, der Airline geht es gut und es werden eine Vielzahl von Mitarbeitern eingestellt. Alle von fremden Fluggesellschaften kommenden, so auch ich, müssen dabei einen so genannten "conversion course" durchlaufen, um auf die Standards der Air Berlin gebracht zu werden. Für mich fand der erste Teil dieses Kurses in den Simulatorhallen der Lufthansa Flight Training in Berlin statt. Dieses riesige Trainingsgebäude beherbergt eine Vielzahl von Full Flight Simulatoren, welche von unterschiedlichen Airlines 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahre benutzt werden. Wie die Besucher die regelmäßig auf meinem Blog vorbei schauen sicher wissen, liegt mein letzter Flug auf einem Airbus schon fast ein halbes Jahr zurück. Das war damals noch im Landetraining zum erhalt der Lizenz gewesen. Deswegen freute ich mich natürlich umso mehr, im Zuge dieses Conversion Courser gleichweg eine gratis Auffrischung meiner Flugkünste erhalten zu können. Auch wenn ich anfangs doch recht skeptisch war, wie schnell man tatsächlich so etwas verlernt, so war ich doch erleichtert, als ich nach ein wenig Übung im Simulator schon bald wieder das Meiste sicher beherrschte. Es wäre nun wirklich sehr ärgerlich gewesen, hätte ich die drei Monate im Sommer als ich das Typerating machte, umsonst gelernt.

Doch natürlich sind die Flugstunden im Full Flight Simulator nach wie vor extrem teuer und so bekamen wir derer lediglich fünf Trainingseinheiten zugeteilt. Recht wenig, doch begleitet wurde das von weiteren Trainingseinheiten in einem so genannten "Fixed Base Trainer". Dies ist eine -mehr oder weniger- detailgetreue Nachbildung eines Airbus Cockpits, in der die grundlegenden Arbeitsabläufe quasi "im trockenen", also ohne Bewegung des Simulators geübt werden. Da Bilder mitunter deutlich mehr sagen als tausend Worte, ist im Folgenden mal ein Bild dieses Geräts zu sehen. Sehr interessant, aber mitunter etwas nervig dabei die Bedienung der "Flugzeug-Instrumente" direkt auf dem Bildschirm per Touch-Screen. Ich wage ja zu behaupten, dass sich früher oder später eine ähnliche Technologie sicherlich auch in den echten Flugzeugen durchsetzen wird...

Der so genannte "Fixed Base Simulator" dient dem Üben von Arbeitsabläufen und -Handgriffen

Airbus Cockpit mal Anders

Am Ende dieses Simulator-Lehrganges stand natürlich wie immer in der Fliegerei ein Checkflug auf dem Programm. Vom Ablauf her war dieser wie einer der jährlich stattfindenden Checkflüge, welche zum erhalt der Lizenz absolviert werden müssen.

Es ging los mit einem "Engine Failure"-Teil, hier wurden also Triebwerksausfälle bei allen möglichen Geschwindigkeiten, am Boden und in der Luft durchgespielt und die Reaktion der Crew darauf geprüft. Es folgte ein so genanter "LOFT" Teil. LOFT bedeutet "Line Orientated Flight Training", es wird also quasi ein fast normaler Linienflug von A nach B abgeflogen. Doch Simulator wäre nicht Simulator, wenn es nicht auch auf diesem Flug zu Komplikationen kommen würde. Kleinere und größere technische Probleme waren also auch hier unser ständiger Begleiter.
Abschließen folgt in jedem dieser Checks ein "Low Visibility" Teil. Dies beinhalten Starts und Landungen bei minimaler Sichtweite, was im Falle des Airbus ca. 125m für den Start und lediglich 75m für die Landung bedeutet. Da in der Lizenz diese Fähigkeiten der Crew unter solchen Wetterbedingungen fliegen zu dürfen seperat vermerkt sind, muss eben auch dies regelmäßig abgeprüft werden. In einem sehr lehrreichen und angenehmen Checkflug dann bestätigten wir unser können und damit waren alle Hürden genommen um bei Air Berlin mit dem Flugdienst anfangen zu dürfen.

Einer der Simulatoren der neuen Air Berlin Airbusse

Für alle neuen Copiloten ohne Flugerfahrung und auch für altgediente als Auffrischung mussten wir ein Woche später noch einen Theoriekurs besuchen. Innerhalb einer Woche stand da ein doch sehr bunt gemischtes Programm auf dem Plan:
Am Anfang erlernten wir ganz praktische Dinge, wie das öffnen und schließen der Türen des Airbusses, die Handhabung der Notausstiege oder die gesetzlichen Vorschriften über die maximalen Flugdienstzeiten, was an sich schon fast ein komplett abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften benötigen würde.
Aufgelockert wurde dieser mitunter doch sehr trockene Theorieteil aber von einigen recht spannenden Praxiseinheiten, wie etwa den Besuch der Air Berlin Flugzeug-Werft in der die Flugzeuge gewartet wurden, eine Notfallübung bei der wir ein Flugzeugnachbau über aufgeblasene Notrutschen verlassen mussten oder aber ein erste Hilfe Kurs.

Am letzten Tag dieses Lehrgangs erhielten wir als Abschluss dann alle noch unsere neue Air Berlin Dienstkleidung, unsere Piloten-Uniform. Ein wenig Stolz machte uns das natürlich alle, denn endlich konnten wir mit unserer Dienstkleidung in unsere Berufsrolle schlüpfen. Und ganz bald schon, beginnen die so genannten ACM-Flüge, bei denen ich für 14 Flüge noch auf dem Jumpseat im Cockpit sitzen werde um meinen erfahrenen Kollegen nochmals über die Schulter zu schauen. Dann aber folgt der spannendste Moment, mein erster Flug mit Passagieren als Copilot. Wie mir mein Dienstplan (kann hier heruntergeladen werden), welcher übriges sehr Abwechslungsreich ist und einige interessante Ziele aufweist, verrät, wird dieser schon in ungefähr einer Woche stattfinden. Es bleibt also wie immer spannend...

Alles, was Rang aber (noch) keinen Namen hat...

 

Etwas Poesie...

 

Februar 2010

 

Ein kleiner Happen Poesie möchte ich hier veröffentlichen, aber keine Bange, ans Reimen wage ich mich selbst -vorerst- nicht. Das überlasse ich nun mal lieber den Spezialisten wie etwa meinem Großvater, der mit allen nur möglichen Orden und Auszeichnungen der Lokal- und Fachpresse dekoriert, trotz an einer Hand abzählbarer Flugerfahrung den Kern der Sache doch erstaunlich gut trifft:

Alle unsere Guten Wünsche sollen dich begleiten,
ab heute - in alle Höhen und Weiten,
du lebst jetzt - mit deinen Flügen-  wie in zwei Welten,
in jeder verschiedene Regeln gelten.

Den Rahmen hat dir deine Ausbildung gegeben,
denn zeitweise fühlst du dich öfters wie einem anderen Leben-
vor jedem Start wird ein ganz bestimmtes Gefühl in dir sein--
weit weg von denen daheim.

Wenn du dann immer auf dem Rückflug die Positionslampen siehst leuchten-
dann weißt du, ich hab etwas vollbracht - begleitet von diesen Wünschen.
Und jetzt mach dich fertig zum ersten Start - endlich-.
Der Himmel mit seinen Höhen und Weiten erwartet dich.

-Walter Meissner-

 

Erstens es kommt anders.... und zweitens als man denkt.

 

Februar 2010

 

Dieses Sprichwort hat sich wieder einmal mehr bewahrheitet. Schon in meinem letzten Beitrag über das Typerating für den A320 (siehe hier) hatte ich es angedeutet und nun ist es doch tatsächlich Ernst geworden:

Da bei Lufthansa immer noch keine Einstellungen anstehen sind wir Flugschüler der Lufthansa Flugschule weiter „überflüssig“. Nachdem im vergangenen Jahr bereits einige einen Dreijahresvertrag bei Swiss European als Copilot auf dem Avro unterschrieben hatten, stand gegen Ende 2009 ein weiterer Arbeitgeber auf dem Programm, der sich temporär unserer annehmen will. Air Berlin.  Diese Airline suchte für den Sommer, da hier saisonbedingt die meisten Passagiere erwartet werden, noch nach qualifizierten Copiloten für deren Airbus A320 Flotte. Damit war der Plan aufgegangen, dass der Marktwert von uns Flugschülern deutlich gesteigert wurde, indem wir schon vorab das Airbus Typerating machen durften. So wurden aus ärgsten Konkurrenten Vertragspartner und Lufthansa lieh interessierte Anwärter über eine Personalvermittlungsagentur bis einschließlich Oktober 2010 an Air Berlin aus, bevor wir dann ab November 2010 wieder in die Warteliste auf einen Lufthansa-Arbeitsvertrag eingereiht werden. Im Idealfall wäre sogar eine sofortige Einstellung dort möglich, aber wenn eines in der Luftfahrt gewiss ist, dann ist es die Ungewissheit…

Für alle Parteien ist dieses Tauschgeschäft natürlich eine interessante Sache, denn Air Berlin hatte kurzfristig und befristet Copiloten, Lufthansa war uns von der Warteliste einstweilen los und wird später die Kosten des Linetrainings sparen da wir das bei Air Berlin absolvieren und schließlich können wir Flugschüler endlich los fliegen und Erfahrung sammeln. Auch ich entschied mich für dieses Angebot, hauptsächlich vom Reiz angetrieben einmal in einen fremden Flugbetrieb hineinzuschnuppern, neue –teilweise recht exotische- Ziele anzufliegen und viele unvergessliche Erfahrungen zu machen. Später werde ich auch sagen können einmal am Flughafen Berlin Tegel stationiert gewesen zu sein, bevor dieser in ein paar Jahren geschlossen sein wird und zusammen mit Berlin Schönefeld dem BBI-International Airport Platz macht. Im Lufthansa Flight Training Center (es sind immer die selben Akteure…) am Flughafen Berlin Schönefeld werde ich dann noch einige wenige Simulatorflugstunden bekommen, ein paar Theoriekurse zum Angleich an die Arbeitsvorschriften bei Air Berlin absolvieren, an Evakuierungsübungen teilnehmen und nachdem ich an zwei Tagen noch als dritter Mann im Cockpit mitfliegen werde, darf ich in ungefähr vier Wochen dann als Copilot selber abheben. Natürlich anfangs noch unter Aufsicht eines besonders erfahrenen Kapitäns und eines zusätzlichen Copiloten, aber nach ungefähr einem Arbeitsmonat und einem Checkflug hätte ich es dann geschafft und dürfte mich offiziell „First Officer“ nennen. Schaun wir mal…

Wer hätte es gedacht? Mein erster Arbeitsplatz sieht so aus

Wahnsinn ist es dennoch was für Wege die Dinge im Leben manchmal gehen. Nachdem bis direkt vor Ausbildungsende noch alles danach aussah, nahtlos im Lufthansa Airbus Cockpit Platz nehmen zu können und dann schlagartig die Wirtschaftskrise alles zunichte machte und insgesamt ein Jahr Wartezeit angesagt war, sitze ich –quasi Hals über Kopf- im Cockpit der größten Konkurrenz für Lufthansa. Früher hätte ich dies wahrscheinlich nicht geglaubt, sollte mir das eine Wahrsagerin aus Ihrer Glaskugel vorhergesagt haben. Nun vertreibe ich mir erst einmal die Zeit mit der Auffrischung der Airbus-Theorie, bin ich aber natürlich riesig gespannt auf das was mich erwartet, freue mich auf die nächsten neun Monate und werde an dieser Stelle berichten…

Schlagartig ist der Himmel dann doch zum Greifen nahe...

 

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